Auf dem Schlachtfeld konnte die syrische Armee zuletzt deutliche Erfolge erzielen. Laut dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu ist das von der Regierung kontrollierte Gebiet doppelt so groß wie noch vor zwei Monaten. Vor allem aber bewegt die Vertreibung der IS-Kämpfer immer mehr Syrer dazu, in ihre Heimatorte zurückzukehren. Nach einem Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM), einer Unterorganisation der UNO, sind heuer bereits 602.759 geflüchtete bzw. vertriebene Syrer heimgekehrt. Bei der überwiegenden Mehrheit der Heimkehrer (93 Prozent) handelt es sich um Binnenflüchtlinge, und sieben Prozent gingen aus den Nachbarstaaten Türkei, Libanon, Jordanien und dem Irak in die Heimat zurück. Laut der türkischen Zeitung „Hürriyet Daily News“ rechnet die Türkei damit, dass heuer rund 100.000 Flüchtlinge nach Syrien zurückkehren werden.

Interessant sind die Beweggründe der Heimkehrer. Der IOM zufolge wollen 27 Prozent ihr Eigentum schützen, und für 25 Prozent ist die verbesserte Wirtschaftslage in den Heimatstädten und -dörfern ausschlaggebend. Immerhin noch elf Prozent nannten die verbesserte Sicherheitslage als Hauptmotiv. Die Hälfte aller Rückkehrer betraf 2016 das Gouvernement Aleppo. Für heuer schätzt die IOM, dass etwa zwei Drittel bzw. 405.000 in diesen Regierungsbezirk zurückkehren werden. Ende 2016 war es der syrischen Armee mit militärischer Unterstützung gelungen, den IS aus dem Ostteil Aleppos zu vertreiben. Die hohe Zahl der Rückkehrer zeigt zudem, dass das Leben in den von der Regierung kontrollierten Gebieten Syriens nicht so schlecht sein kann wie in westlichen Systemmedien behauptet wird.

Mit der wachsenden Zahl an Heimkehrern rückt für die Regierung von Präsident Baschar al-Assad zunehmend der Wiederaufbau in den Vordergrund. Die Kosten dafür werden in einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf 100 bis 200 Milliarden US-Dollar geschätzt. Laut IWF könnte es zudem zwei Jahrzehnte dauern, bis das syrische Bruttoinlandsprodukt wieder das Vorkriegsniveau erreicht.

 

[Text: B. T.; Bild: Henry Ridgwell/VOA]