In der CDU beginnt es nach dem Abschluss des „GroKo“-Vertrags mit der SPD zu gären. Denn die Sozialdemokraten erhalten mit dem Außen- und Finanzministerium zwei Schlüsselressorts. Vor allem aber wird die Kritik an der Parteivorsitzenden, Bundeskanzlerin Angela Merkel, immer lauter. „Noch nie in der Geschichte der CDU“ habe es emotional und politisch einen so weitgehenden Vertrauensverlust gegeben, sagte Norbert Röttgen dem „Tagesspiegel“. Röttgen ist kein unbedeutender Funktionär der vierten Reihe, sondern Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Außerdem war der 52-jährige Politiker, der seiner Partei eine „inhaltliche Entleerung“ attestiert, Umweltminister im zweiten Kabinett von Angela Merkel.

Zu Wort gemeldet hat sich auch Volker Rühe. Gegenüber dem Magazin „Stern“ kritisierte der ehemalige CDU-Generalsekretär und Verteidigungsminister das Verhandlungsgeschick Merkels mit scharfen Worten: „Merkel hat für die Zukunft der CDU - und darum sollte es ihr mehr gehen als um ihre eigene Gegenwart - desaströs verhandelt.“

Rühe mahnte die Christdemokraten, die Weichen für die Zeit nach Merkel zu stellen. So forderte der frühere CDU-Vize von der Parteichefin, nun „die wichtigsten Positionen in Kabinett und Fraktionsführung mit potenziellen Kanzlerkandidaten zu besetzen, die aber noch wichtige Erfahrungen brauchen.“ Interessant ist, dass Rühe die Sozialdemokraten, bei denen derzeit Chaos herrscht, mittel- bis langfristig in der strategisch besseren Lage sieht als die CDU. Denn die SPD habe mit der künftigen Parteichefin Andreas Nahles und dem designierten Finanzminister Olaf Scholz jetzt gleich zwei potenzielle Kanzlerkandidaten von Gewicht für die Zukunft. Und Rühe weiter: „Wenn man so will: zwei Asse für die Zukunft. Wir haben nicht mal einen.“

[Text: B. T.; Bild: Wikipedia/Sven Mandel; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International]