Derzeit beträgt der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) exakt 0,0 Prozent, und das, obwohl in der Euro-Zone die Wirtschaft gut läuft. Allerdings tauchen erste Wolken am Konjunkturhimmel auf, die EU-Kommission geht etwa von einem schwächeren Wachstum aus. Und sollte die Euro-Zone gar in eine Rezession schlittern, dann wären der EZB die Hände gebunden. Sie könnte zwar den Leitzins auf – sagen wir – minus drei Prozent senken, und die Banken würden die Negativzinsen an ihre Sparer weitergeben. Doch den Sparern bleibt ein Ausweg: das Bargeld.

Um die Sparer zum Ausgeben ihres Geldes zur Stimulierung der Konjunktur zu zwingen hat der Internationale Währungsfonds (IWF) ein perfides Konzept entwickelt. Dieses sieht vor, dass die Notenbank das Geld in zwei separate Währungen trennt: In ein elektronisches Geld (E-Geld) und in Bargeld. Das E-Geld, das sich auf den Bankkonten befindet, hätte im konkreten Fall einen Zinssatz von minus drei Prozent. Das Bargeld hätte wiederum einen Umrechnungskurs zum E-Geld. Laut IWF-Papier würde die Notenbank, wenn sie einen negativen Zinssatz für E-Geld festlegt, mit dem Umrechnungskurs das Bargeld im selben Ausmaß abwerten.

Der IWF geht in seinem Beispiel von Negativzinsen in Höhe von drei Prozent und einer Summe von 100 Dollar aus: „Der Wechselkurs von Bargeld-Dollar in E-Dollar würde sich daher im Laufe eines Jahres von 1 auf 0,97 ändern. Nach einem Jahr hätten sie nur mehr 97 E-Dollar auf Ihrem Bankkonto. Wenn Sie stattdessen 100 Dollar abgehoben und ein Jahr sicher zu Hause aufbewahrt und dann in E-Dollar umgetauscht hätten, würde es auch nur 97 Dollar bringen.“

Die Pläne des IWF bedeuten – je nach Betrachtungsweise – eine Steuer auf Bargeld oder eine kalte Enteignung. Und ihre Umsetzung könnte schneller bevorstehen als es viele für möglich halten.

[Text: B.T.; Bild: www.wikipedia.org/Pouyana; Lizenz: CC BY-SA 3.0]