Fachleute sind sich einig, dass nur eine Impfung vor Masern schützt. Umso bedenklicher ist daher eine Fatwa, eine Art islamisches Rechtsgutachten, die nun vom Indonesischen Ulema-Rat erlassen wurde. Darin erklärt das höchste islamische Gremium Indonesiens, dass Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln „haram“, also religiös verboten sind. Als Begründung wird angeführt, in den Impfstoffen könnten sich Spuren von Menschen- oder Schweinezellen befinden.

Der Ulema-Rat ist keine Behörde, wird aber von der indonesischen Regierung finanziell unterstützt. Diese Einrichtung beaufsichtigt alle moslemischen Organisationen des Landes, regelt das islamische Bankwesen und stellt Bescheinigungen aus, ob etwas „halal“, also den islamischen Religionsvorschriften entsprechend, ist. Der Ulema-Rat gilt nicht nur vielen Indonesiern als Autorität, sondern ist auch eine der Organisationen, welche die Islamisierung des südostasiatischen Staates vorantreiben.

Gleichzeitig heißt es in der Fatwa des Ulema-Rates aber auch, dass die Verwendung der Impfstoffe mangels brauchbarer Alternativen jedoch erlaubt werde. Dennoch ist zu befürchten, dass die Impfrate deutlich zurückgehen wird. Wie CNN Indonesia berichtete, haben etliche Städte die Impfstoffe bereits vor der Verkündigung der Entscheidung des Ulema-Rates außer Verkehr gesetzt. Wie Tim Lindsey, der Direktor des Zentrums für indonesisches Recht an der Universität Melbourne dem australischen Sender ABC sagte, wird die Fatwa in Indonesien den Zugang zu den Impfstoffen erschweren.

In Indonesien sind die Fatwas zwar nicht rechtlich bindend, aber dennoch sehr einflussreich. „Wenn es eine Fatwa gibt, die dagegen (gegen Impfstoffe, Anm.) ist, dann stellt das ein echtes Hindernis für die Bemühungen der öffentlichen Gesundheit dar“, wird Lindsey zitiert. Erst Anfang dieses Jahres starben beim Ausbruch der Masern in der Papua-Provinz im Osten Indonesiens rund 100 Kinder.

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia.org/CDC Global; Lizenz: CC BY 2.0]