Anfang Februar warnte der bosnische Sicherheitsexperte Dzevad Galijasevic vor einer Ausbreitung des Islamismus in Bosnien-Herzegowina, wo rund die Hälfte der 3,5 Millionen Einwohner Moslems sind. „Die islamistische Infrastruktur in Bosnien gibt es seit drei Jahrzehnten. Für die radikal-religiöse Propaganda gibt es keine Hindernisse, und die finanzielle Unterstützung (der Extremisten) läuft unvermindert weiter“, sagte Galijasevic dem serbischen Ableger der russischen Nachrichtenagentur Sputnik.

Ähnlich sieht es Predrag Ceranic. Der Terrorismusexperte weist darauf hin, dass – zumindest im moslemischen Landesteil – das Problem des Islamismus über Jahre verharmlost wurde und zur Lösung der politische Wille fehle. Zudem würden sich Moscheen, in denen radikales Gedankengut gepredigt wird, „virusartig ausbreiten, und das bosniakische (moslemische) Mitglied im Staatspräsidium, Bakir Izetbegovic, sagt, dass sich Bosnien und Herzegowina auf dem Weg zur europäischen Integration befindet“. Bakir Izetbegovic ist der Sohn des Staatsgründers Alija Izetbegovic, der 1970 das Manifest „Islamische Deklaration“ herausgab, in dem der „westlichen Zivilisation“ eine Absage erteilt wurde.

Schon im Dezember sagte die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic, dass tausende Kämpfer des IS nach Bosnien und Herzegowina zurückgekehrt seien und der „Einfluss anderer Länder“ auf das Nachbarland nicht ignoriert werden könne. Bei den „anderen Ländern“ handelt es sich um Saudi-Arabien und andere Staaten am Persischen Golf, die mit ihren Gewinnen aus dem Erdölgeschäft weltweit den radikalen Islam finanzieren.

Tatsächlich konnte sich seit dem Zerfall Jugoslawiens der Islamismus in Bosnien ausbreiten, wie Galijasevic erklärt: „Während der 1990er Jahre strömten Mudschaheddin aus der arabischen Welt nach Bosnien, und nach dem Krieg siedelten sie sich an, heirateten bosnische Frauen und setzten hier ihr Leben fort. Das sind jene Leute, die heute die engsten Beziehungen zu den Zentren der terroristischen Mächte haben, die verschiedene extremistische Gruppen mit Geld aus Saudi-Arabien und ähnlichen Ländern finanzieren“.

 

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[Bild: Erwin Franzen/wikimedia.org]