Die israelische Praxis, zur „Abschreckung“ die Häuser von palästinensischen Attentätern zu zerstören, sorgt nicht nur für Kritik von Menschenrechtsorganisationen. Schließlich handelt es sich dabei um eine Kollektivstrafe. So hat nun das Hohe Gericht Israels die Regierung aufgefordert, binnen 30 Tagen zu rechtfertigen, warum die Häuser palästinensischer Extremisten zerstört werden, während gleiches für jüdische Extremisten nicht gilt. Der Fall wurde von Suha und Hussein Abu Khdeir vor Gericht gebracht. Bei ihnen handelt es sich um die Eltern des 16-jährigen Palästinensers Mohammed Abu Khdeir, der 2014 als Vergeltung für die Entführung und Ermordung dreier israelischer Jugendlicher ermordet wurde. „Ich denke, wenn sie nicht ihre (der jüdischen Extremisten, Anm.) Häuser zerstören, ist es kein demokratischer Staat. Es ist ein Apartheid-Staat“, sagte Hussein Abu Khdeir im Juli.

Seitens des Hohen Gerichts, der Teil des israelischen Höchstgerichts ist, scheint man sich dieser Auffassung anzuschließen. „Was macht es für einen Unterschied, ob es ein Araber oder ein Jude ist“, frage Richter Neal Hendel und gibt gleich die Antwort: „Wenn wir sagen, dass wir diese Politik gegen eine bestimmte Gruppe durchführen und gegen eine andere nicht, dann schafft das bestimmte Probleme“.

Jedenfalls wird die Sache kontroversiell diskutiert. Auf das ursprüngliche Begehren der Abu Khdeirs, die Häuser der Mörder ihres Sohnes zerstören zu lassen, antwortete das israelische Verteidigungsministerium, dass jüdische Verbrechen, die mit dem palästinensischen Extremismus vergleichbar seien, relativ selten seien und es deshalb wenig Anlass gebe solche Maßnahmen auch gegen Israelis zu ergreifen. „Angesichts des Ausmaßes schwerer Hassverbrechen in der jüdischen Gemeinschaft, besteht kein Grund, diese Zwangsgewalt anzuwenden“, schrieb der Verfahrensvertreter der Regierung, Ahaz Ben-Ari, den Abu Khdeirs, wie die Zeitung „Haaretz“ berichtete.

 

[Text: B. T.; Bild: Amer 'Aruri, B'Tselem's field researcher in East Jerusalem]