Die Knesset, das israelische Parlament, wie mit 58 zu 38 Stimmen einen Antrag zurück, die Massaker des IS an den Jesiden als Völkermord einzustufen. Die Knesset-Abgeordnete Ksenia Svetlova von der Zionistischen Union sagte dem israelischen Sender i24news, „die Regierungskoalition stimmte unter dem lächerlichen Vorwand gegen meinen Antrag, den Genozid am jesidischen Volk anzuerkennen, dass bisher die UNO diesen Genozid nicht anerkannt hat.“ Tatsächlich hat bislang nur ein Staat auf der Erde vom IS an den Jesiden verfolgten Gräueltaten als Völkermord anerkannt: Und zwar Armenien, das vor 100 Jahren von dem Osmanischen Reich verübten Völkermord betroffen war.

Die Jesiden, deren Siedlungsgebiet im Sindschar-Gebirge im Nordirak liegt, haben eine Mischreligion, die unter anderem christliche und mohammedanische Elemente miteinander vereint. Den Islamisten des IS gelten sie als „Ungläubige“, weshalb es sofort nach Eroberung der irakischen Jesiden-Gebiete, Anfang August 2014 zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit kam. Tausende jesidische Männer wurden exekutiert und tausende Jesidinnen sexuell versklavt. Auf Sklavenmärkten wurden jesidische Mädchen, oft noch keine zehn Jahre alt, an Perverse verhökert.

Eine der (jungen) Frauen, die vom IS sexuell versklavt wurden, ist Nadia Murad, der heuer der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde. Heuer besuchte sie als Sonderbotschafterin der UNO Israel und appellierte an die israelischen Abgeordneten, den Genozid an den Jesiden formell als Völkermord anzuerkennen und den von Svetlova eingebrachten Antrag anzunehmen.

Laut i24news sagte Murad 2017 bei einem Treffen mit Svetlova: „Juden und Jesiden teilen eine gemeinsame Geschichte des Völkermordes, welche die Identität unserer Völker geformt hat. Aber wir müssen unseren Schmerz in Taten umsetzen. Ich habe Respekt, wie Sie die weltweite jüdische Gemeinschaft nach dem Holocaust wieder aufgebaut haben. Das ist eine Reise, die meiner Gemeinschaft noch bevorsteht.“ Und Svetlova erwiderte: „Nie wieder. Das ist das Motto unseres Landes, das aus der Asche des Holocaust gebaut wurde. Es ist ziemlich klar, dass ‚nie wieder‘ nicht nur für die Juden steht. Es steht auch für andere Nationen und andere Völker.“

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/Mahmut Bozarslan; Lizenz: gemeinfrei]