Israel misstraut Teheran auch nach Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen den Iran wegen dessen Atomprogramm. So sagte Verteidigungsminister Mosche Jaalon in Tel Aviv auf einer Konferenz des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien, „der Iran ist unser Hauptfeind“. Und wenn er zwischen einem Konflikt mit dem Iran und der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) wählen müsste, würde er „den IS bevorzugen“. Zudem behauptete Jaalon, Teheran sei ein „Schurkenregime“, welches nach regionaler Hegemonie strebe.

Und der Verteidigungsminister weiter: „Die (libanesische, Anm.) Hisbollah ist ein Stellvertreter des Iran, mit der Möglichkeit, Krieg zu erklären. Der Iran hat derzeit eine terroristische Infrastruktur auf fünf Kontinenten: Asien, Afrika, Europa und sowohl in Süd- wie auch in Nordamerika.“ Ein Dorn im Auge ist Israel auch die iranische Unterstützung für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Und schließlich behauptete Jaalon, der Iran sei „eine Quelle der Instabilität in Afghanistan, dem Irak, Syrien, Jemen, Bahrain und im Gaza-Streifen“.

Israel, die einzige Atommacht im Nahen Osten, geht davon aus, dass der IS leichter zu besiegen ist als der Iran. Denn Jaalon meint, der IS könnte „möglicherweise besiegt“ werden, wenn man gezielt seine Erdölreserven angreift. Endgültig besiegt werden könnten die Dschihadisten aber nur mit Bodentruppen, „ähnlich, wie es die Kurden machen“.

Dem Iran hingegen wirft der israelische Verteidigungsminister vor, er könne nun, nachdem er sich „wirtschaftlich sicher fühlt, schneller eine Atombombe herstellen“. Mit dem internationalen Abkommen verpflichtete sich Teheran, die Anreicherung von Uran über 3,67 Prozent für 15 Jahre auszusetzen. Außerdem soll die Anreicherung nur mehr in der Anlage von Natanz stattfinden, und der Bestand von niedrig angereichertem Iran darf 300 Kilogramm nicht überschreiten.

 

[Text: B. T.; Bild: Ash Carter, US Federal Agency photograph/wikimedia.org]