Die französischen Regionalwahlen Ende letzten Jahres zeigen, dass der Front National ein allzu großes Problem für die etablierten Parteien darstellt, welches derzeit nur unter Selbstaufgabe gerade noch in Grenzen gehalten werden kann. Und so war im Dezember niemandem nach Jubelrufen zumute. „Keine Erleichterung, kein Triumphgefühl“, mahnte der sozialistische Premier Manuel Valls, an die „Warnungen“ der Wähler erinnerte der konservative Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy und einzig optimistisch blickte die Chefin des Front National, Marine Le Pen nach vorne: „Nichts wird uns aufhalten können.“

Tatsächlich kann sich nach den französischen Regionalwahlen, dem letzten großen Urnengang vor der Präsidentschaftswahl 2017, zwar niemand als Sieger fühlen – aber auch ein klarer Verlierer steht nicht fest.

Der Front National verpasste es zwar nach dem triumphalen Sieg im ersten Wahlgang, in einer Region eine Mehrheit zu erzielen – zugleich stimmten mit 6,8 Millionen Franzosen mehr Menschen für die einzige Partei Frankreichs, die sich klar gegen Massenzuwanderung und Islamisierung stellt, als jemals zuvor. Sarkozys konservativ-bürgerliches Lager gewann als stärkste Kraft sieben der 13 Regionen – hatte aber auf deutlich mehr Siege gehofft und war teilweise auf die Unterstützung der Sozialisten angewiesen. Die Regierungspartei von Staatschef François Hollande wiederum konnte ihre Verluste begrenzen - verlor aber ihre bisherige Dominanz in den Regionen.

„Niederlage für alle“, titelte die katholische Tageszeitung „La Croix“ am Tag nach dem zweiten Wahlgang, „Wahl ohne Sieger“ drehte die große Regionalzeitung „La Voix du Nord“ die Formel um. Und die linke „Liberation“ titelte mit Blick auf die FN-Schlappe „Erleichtert, aber...“ und konstatierte: Der „Sieg“ von Konservativen und Sozialisten gegen den Front National sei in erster Linie eine „Nicht-Niederlage“.

Denn tatsächlich waren viele Menschen in der zweiten Wahlrunde zu den Urnen geströmt, um einen Sieg des Front National zu verhindern – nicht, weil sie begeistert waren von Politik und Kandidaten der Konservativen oder Sozialisten. Die „republikanische Sperre“ gegen die angeblich „Rechtsextremen“ hielt, noch wollen offenbar die meisten Franzosen nicht von Front-National-Politikern regiert werden.

Aber wie lange dies in dem von Rekordarbeitslosigkeit und anhaltender Wirtschaftskrise gebeutelten Land anhält, ist unklar. Und im Frühjahr 2017 finden in Frankreich die Präsidentschaftswahlen statt, bei denen Le Pen zumindest in die Stichwahl einziehen will.

 

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[Bild: Remi Noyon/flickr]