An der offiziellen Lesart, wonach der IS den Terroranschlag am Sultan-Ahmed-Platz in Istanbul verübt hat, tauchen Zweifel auf. In der Metropole am Bosporus kamen am 12. Jänner elf Menschen, darunter zehn deutsche Touristen, ums Leben. Der unabhängige britische Journalist Finian Cunningham weist darauf hin, dass es „verdächtig“ sei, dass die türkischen Behörden bereits wenige Stunden nach dem Anschlag einen 28-jährigen syrischen Staatsbürger, der in Saudi-Arabien geboren wurde, als Täter identifizieren konnten. Auffällig ist auch, dass der Tatort wenige Stunden nach dem Blutbad vom Straßendienst gereinigt wurde.

Cunningham betont auch, bei einem „normalen“ Terroranschlag sind die Behörden überrascht und brauchen „einige Tage, um die Stücke zusammenzufügen um zu erfahren, wer ihn ausgeführt hat“. In diesem Fall aber die Erdogan-Regierung „sofort nicht nur die mutmaßliche Gruppe hinter dem Bombenanschlag, sondern auch den mutmaßlichen Täter bekanntgegeben.“ Wenn daher die offizielle Version stimme, sei das eine „erstaunlich effektive Ermittlungsarbeit“ der türkischen Behörden. Cunningham meint daher, dass der türkische Geheimdienst hinter dem Anschlag in Istanbul stehe, um die Türkei als weiteres Opfer der Mörderbanden des IS präsentieren zu können. Das wiederum soll von der Unterstützung Ankaras für den IS ablenken.

Auch wurden im Zusammenhang mit dem Selbstmordanschlag in Istanbul drei russische Staatsbürger verhaftet. Offenbar legt es Erdogan nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs im syrischen Luftraum Ende November auf eine weitere Provokation gegenüber Russland an. Bekanntlich konnten die russischen Luftschläge gegen den IS den syrischen Präsidenten Assad stärken, dessen Truppen in Nordsyrien immer weiter an die türkische Grenze heranrücken. So sagte Erdogan: „Russlands Anliegen ist nicht der Kampf gegen den IS. Ganz im Gegenteil. Russland möchte in der Region Latakia und im Umland einen syrischen ,Boutique‘-Staat errichten, um sich dort ein Betätigungsfeld zu schaffen.“ Das aber wäre weder im Interesse der Türkei noch der USA.

 

[Text: B. T.; Bild: Freedom's Falcon/wikimedia.org]