Viele US-Amerikaner spüren nichts von der Erholung der Wirtschaft in den Vereinigten Staaten. Rund 45,5 Millionen US-Amerikaner, das ist jeder siebente der Gesamtbevölkerung, bezogen im Oktober Lebensmittelmarken, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Lebensmittelmarken kann beziehen, wer sich in das staatliche Lebensmittelhilfe-Programm SNAP (Supplemental Nutrition Assistance Program) einschreiben lässt. Das zu tun, dazu riefen die Bundesregierung und die Regierungen der Bundesstaaten die Bürger während der Rezession zwischen 2007 und 2009 auf.

Offenbar ging man davon aus, dass nach dem Ende der Wirtschaftskrise die Zahl der Bezieher von Lebensmittelmarken zurückgehen wird. „Als die Arbeitslosigkeit stieg, sagten die Leute, dass die Einschreibungen (bei SNAP) stark zurückgehen werden, wenn sich die Dinge verbessern. Aber das ist nicht geschehen“, sagt Parke Wilde, ein Experte für Lebensmittelhilfe an der Tufts University in Boston.

Der nach wie vor hohe Anteil von Lebensmittelmarkenbeziehern ist ein Hinweis, dass die US-Amerikaner nur sehr ungleichmäßig vom Wirtschaftsaufschwung profitieren. Denn die Arbeitslosigkeit liegt in den USA nur bei fünf Prozent. Allerdings gibt es viele Niedrigverdiener, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. So liegt die Einkommensobergrenze, die zur Inanspruchnahme des Supplemental Nutrition Assistance Program berechtigt, bei einem Einpersonenhaushalt bei 1.245 Dollar, und bei einem Vier-Personen-Haushalt sind es 2.552 Dollar.

Nicht zuletzt wegen der hohen Kosten – 2013 wurden für SNAP 76,1 Milliarden Dollar ausgegeben – haben 22 Bundesstaaten die Zugangsbestimmungen verschärft. Arbeitslose müssen nun bis April eine Beschäftigung finden, andernfalls fallen sie aus SNAP heraus. Berichten zufolge sind eine Million US-Amerikaner davon betroffen.

 

[Text: B. T.; Bild: United States Department of Agriculture/wikimedia.org]