Christian Kern könnte nicht nur der Bundeskanzler mit der kürzesten Amtszeit in der Zweiten Republik werden, sondern auch der kürzestdienende SPÖ-Vorsitzende. Denn es beginnt bereits das Sägen am Sessel des obersten Genossen. So sagte der frühere SPÖ-Innenminister Karl Schlögl um „Schau TV“, dass „wir uns auf jeden Fall in vielen Bereichen personell verändern müssen“. Damit sei vorrangig Kern gemeint: „Für mich gibt es auch andere Persönlichkeiten, die die Partei wieder einen könnten – wir brauchen jetzt eine glaubhafte Person an der Spitze.“

Außerdem beklagte Schlögl die innere Zerrissenheit der Sozialdemokratie: „Die Partei ist völlig zerrissen, ich habe die Sozialdemokratie wirklich noch nie in so einem schlechten Zustand gesehen.“ Außerdem kritisierte der nunmehrige Bürgermeister von Purkersdorf, dass die Wähler „schon lange nicht mehr wissen, wofür die SPÖ überhaupt steht“. Bei der Landtagswahl am Sonntag in Niederösterreich gewann die SPÖ zwar 2,9 Prozent dazu, aber Grund zum Jubeln bedeutet das noch lange nicht. Denn die 23,9 Prozent vom Sonntag bedeuten das zweitschlechteste Ergebnis aller Zeiten im Land unter der Enns.

Schlögl, der in seiner Zeit in der Bundespolitik Ende der 1990er ein korrektes Verhältnis zur damaligen freiheitlichen Opposition pflegte, forderte zudem, dass die SPÖ einen „Mitte-Links-Kurs“ einschlägt, „denn eine Mitte-Links-Partei, das sind wir“. Wenig überraschend begrüßt Schlögl daher die Wahl von Michael Ludwig zum neuen Vorsitzenden der SPÖ Wien. Denn wäre Ludwigs Gegenkandidat Andreas Schieder, ein Exponent des linkslinken Parteiflügels zum neuen Obmann der Wiener SPÖ gewählt wurden, dann wäre man in Richtung einer „grünen SPÖ“ abgerutscht.

[Text: B. T.; Bild: Wikipedia/SPÖ Presse und Kommunikation; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic]