Nun ging es leider doch sehr schnell: Nachdem erst am Freitag die Familie des langjährigen US-Senators aus Arizona verkündet hatte, der Vietnam-Veteran werde seine zermürbende Behandlung, welche im Zuge einer schweren Krebserkrankung erforderlich geworden war, einstellen, folgte bereits am Tag darauf die Hiobsbotschaft: John McCain ist im Alter von 81 Jahren verstorben.
Mit ihm verliert die „Grand Old Party“ einen der alten Schule, einen „alten Falken“. Er blieb seiner Partei, den Republikanern, immer treu, doch er gehörte nie zu den Ja-Sagern und war immer in der Lage, seine Meinung auch mit Argumenten zu untermauern. Innenpolitisch vertrat er verhältnismäßig weiche Positionen, so befürwortete er laschere Regeln in Bezug auf Einwanderung und auch beim weitgehend auf Eigenverantwortung basierendem US-Gesundheitssystem fiel er mit aus europäischer Sicht moderaten Ansichten auf, als er sich etwa staatliche Zuschüsse zu privaten Vorsorgen vorstellen konnte.
Trotz seiner Loyalität zur Partei war sein Verhältnis zu derselben nicht immer einfach. Im Jahre 2000, als George Bush jun. Präsident wurde, überlegte McCain aufgrund einer von den Bush-Republikanern geführten Diffamierungskampagne in South Carolina gegen seine Person die Partei zu verlassen und als unabhängiger Kandidat im Senat zu bleiben. Dies hätte aufgrund der knappen Mehrheitsverhältnisse im Senat den Republikanern die Mehrheit gekostet. McCain blieb dann doch noch in der Partei und stieg dann 2008 gegen Barack Obama in den Ring, verlor die Wahl jedoch. Auch wenn es dann eine Zeit lang ruhig um McCain wurde, so konnte dieser in jüngster Zeit wieder Profil anhand seiner beständigen Kritik an Donald Trump zeigen: Als republikanisches Urgestein warf McCain etwa dem späteren Präsidenten dessen mangelnde Loyalität vor – Trump hatte im Lauf seiner eigenwilligen politischen Karriere bereits drei Mal die Partei gewechselt –, und auch politisch wusste der Senator mit Trump nur wenig anzufangen. McCain, der im Vietnam-Krieg in Gefangenschaft geriet und dort Folter erfahren musste, an der er zeitlebens dauerhaft körperlich zu leiden hatte, konstatierte Trump schon während des US-Wahlkampfes, sowohl von Außenpolitik als auch vom Militär keine Ahnung zu haben und nicht die Tragweite seiner Entscheidungen erfassen zu können. Trump – selbst nie in der Armee gewesen – konterte noch in der Vorwahlzeit mit einem persönlichen Tiefschlag und meinte in Anspielung auf McCains Gefangennahme in Vietnam: „Mir sind die lieber, die sich nicht erwischen lassen“.

In den von ranghohen Persönlichkeiten bekundeten Trauerschreiben wird McCain einhellig Willensstärke, Idealismus, ein ausgeprägter Patriotismus und besonders seine politische Weitsicht und eine gute Beobachtungsgabe attestiert. Bundeskanzler Kurz etwa schrieb: „Er hatte eine klaren moralischen Kompass und zielte immer darauf, seinem Land zu dienen“. Außenministerin Kneissl twitterte: „Mit Senator John McCain haben die USA eine ihrer prononciertesten Stimmen zur Außen- und Sicherheitspolitik und eine führende Stimme gegen die Folter verloren. Unsere Gedanken sind mit seiner Familie und Freunden“.

[Text: M.S.; Bild: Wikipedia.org/T toes; Lizenz: CC BY 2.0]