Es gibt nichts peinlicheres, als ein „Original“ abzukupfern. Aus gewerbsmäßigen Gründen soll es bald wieder so weit sein: Harald Juhnkes 90. Geburtstag steht bevor und soll im nächsten April gleich doppelt „gefeiert“ werden: Einerseits kommt ein neuer Film auf den Markt, andererseits ein Musical. Zur Zeit läuft in Berlin ein Casting, bei dem der „ideale Harald Juhnke“ ausgewählt werden soll. Der ist aber leider tot und einen zweiten gibt’s nicht.

Daher wird wohl beides – Musical wie Film – genauso misslingen und enttäuschen wie alle anderen Film-Biographien der Fernsehgeschichte. Die Verfilmung biographischer Stoffe klappt nur, wenn von der Figur weder Film- und Tonaufnahmen, noch Fotos vorhanden sind. Dann ist die Figur bildlich und auditiv undefiniert und bietet Raum für eine Inszenierung.

Sind allerdings Film- und Tonaufnahmen vorhanden, erwartet das Publikum eine bestimmte Figur, einen bestimmten Charakter, eine bestimmte Stimme, einen bestimmten Gang, eine bestimmte Physiognomie, die aufgrund der Singularität jedes Menschen niemals von einem „Double“ erreicht werden kann – vom besten Schauspieler nicht. Die Aufgabe des eigenen Charakters zu Gunsten eines anderen ist nämlich unmöglich, nicht authentisch und daher automatisch zum Scheitern verurteilt.

Daher werden die Erwartungen jener, die Harald Juhnke aus Film und Fernsehen kannten, des Zielpublikums also, zwangsläufig enttäuscht werden müssen. Ähnlich verhält es sich mit dem Musical: Wer Juhnke kennt, will Juhnke sehen – nicht eine verkleidete Kopie. Und Juhnke ist tot, also lasse man ihn ruhen!

Wenn ergo die Sender schon erwägen, aus festlichem Anlasse jemandes zu gedenken, dann bitte mit Archivmaterial oder gar nicht. Aber nicht mit sündteurem Kitsch.

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia.org/A.Savin; Lizenz: CC BY-SA 3.0]