Die Kanadier sind im Allgemeinen der Einwanderung gegenüber sehr positiv eingestellt. Das wurde nun von einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CROP, die im Auftrag des französischsprachigen Dienstes des Senders CBC durchgeführte wurde, erneut bestätigt. Rund 60 Prozent der Befragten – landesweit wurden 2.513 Kanadier befragt, davon 1.024 in Quebec – gaben an, syrische Flüchtlinge willkommen zu heißen, sei eine „sehr gute“ oder eine „gute“ Idee.

Allerdings scheinen die Kanadier in dieser Frage innerlich gespalten zu sein. Denn 74 Prozent stimmen den Vorschlag der Politikerin Kellie Leitch, die eine Kandidatin für den Vorsitz der Konservativen ist, „sehr“ bzw. „ziemlich“ zu, wonach Einwanderer in Bezug auf ihren Respekt vor den kanadischen Werten überprüft werden sollen. Die weitverbreitete Skepsis bezieht sich auf Einwanderer aus islamischen Ländern. „Wenn man über Religion spricht, dann gibt es eine überwältigende humanitäre Seite in uns. Aber in dem Moment, in dem man die Religion ins Spiel bringt, ist es vorbei“, sagte CROP-Chef Alain Giguere CBC.

Überdurchschnittlich ausgeprägt ist das Unbehagen gegenüber Moslems übrigens in Quebec. So findet das im Nachbarland USA von Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot für Bürger aus bestimmten islamischen Staaten im französischsprachigen Teil Kanadas mit 32 Prozent eine deutlich höhere Zustimmung als im Landesschnitt (25 Prozent).

Auch sonst brachte die CROP-Umfrage Unterschiede zwischen den beiden Landesteilen Kanadas zutage. Während in Quebec 65 Prozent den Bau einer katholischen Kirche und 40 Prozent die Errichtung einer Moschee in ihrer Nachbarschaft begrüßen, liegen die Zustimmungswerte in den englischsprachigen Teilen Kanadas bei 76 Prozent bzw. bei 56 Prozent. Darüber hinaus sind 57 Prozent der Quebecer der Auffassung, dass Mohammedaner nur „schlecht“ oder „ziemlich schlecht“ in die kanadische Wirtschaft integriert sind. Wenig überraschend finden sich die Moslems auf der Liste von Gruppen, deren Einwanderung begrüßt wird, auf dem letzten Rang. Hingegen stoßen in Quebec jüdische Einwanderer auf eine Zustimmung von 72 Prozent, Haitianer – auf der Karibikinsel ist Französisch eine Amtssprache – auf 82 Prozent und Asiaten auf 87 Prozent.

 

[Text: B. T.; Bild: Jared Grove/wikimedia.org]