Es scheint, als würde SPÖ-Chef Christian Kern den Inhalt parteiinterner Dossiers bestätigen, welche die Tageszeitung „Österreich“ veröffentlichte. Darin ist unter anderem davon die Rede, der Bundeskanzler sei eitel, empfindlich und habe ein „Glaskinn“. Wie Medienberichten zu entnehmen ist, reagierte Kern nun mit einem Inserate-Boykott gegenüber „Österreich“. „Nur, weil ich bei einer Wahl kandidiere, heißt das noch lange nicht, dass ich alles mitmachen muss“, erklärte der Bundeskanzler auf Facebook.

Zudem ist Kern der Ansicht, „Österreich“ mache keine kritische Berichterstattung, sondern „eine Kampagne und einen Angriff auf die politische Kultur im Land“. Interessant ist die Vermutung des SPÖ-Chefs, dass sich der Herausgeber „dadurch offenbar mit anderen Kandidaten bessere Geschäfte erwartet“. Außerdem mokierte sich Kern über angeblich abwertende Fotomontagen und verleumdende Texte. Die Retourkutsche des Blattes ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten, und man zog genüsslich über die „Empfindlichkeit des Kanzlers“ her.

Herausgeber der Zeitung „Österreich“ ist Wolfgang Fellner, der eigentlich fest in der linken Reichshälfte verankert ist. So war Fellner einst Wahlkampfleiter des Wiener (SPÖ-)Bürgermeisters Helmut Zilk. Möglicherweise hat Fellner im laufenden Wahlkampf erkannt, dass ein Wahlsieg der SPÖ aufgrund zahlreicher Meinungsumfragen so gut wie ausgeschlossen ist und deshalb in der nächsten Legislaturperiode der Bundeskanzler aller Voraussicht nach nicht mehr Christian Kern, sondern Sebastian Kurz heißen wird.

 

[Text: B. T.; Bild: Screenshot oe24]