Sie ist noch nicht einmal zur Obfrau gewählt und fliegt bereits mit ihrer ersten Personalentscheidung grandios auf den Bauch. Im Parteivorstand wollte sie den ehemaligen Arbeitgeber ihres Mannes, Ex-Kanzleramtsminister Drozda, zum geschäftsführenden Klubobmann machen. Allein der Vorstand, allen voran der Wiener SPÖ-Vorsitzende Michael Ludwig, aber auch andere Landesorganisationen, spielten nicht mit. Die angekündigte Ablöse des bisherigen Amtsinhabers Schieder hatte bereits heftige Proteste hervorgerufen, wurde aber noch zähneknirschend von den SPÖ-Granden hingenommen. Nicht zuletzt deshalb, weil Schieder selbst zurückgetreten ist, bevor das Thema offiziell diskutiert wurde.

Nachdem ihr Drozda als geschäftsführenden Klubobmann verweigert wurde, erklärte sie nun eben, ohne einen solchen auszukommen und den SP-Nationalratsklub alleine leiten zu wollen. Als Trostpflaster bekam Drozda dann den Posten des Generalsekretärs. Somit muss nicht nur Schieder, sondern auch der bisherige Generalsekretär Max Lercher seinen Platz räumen.
Was immer die Beweggründe von Rendi-Wagner gewesen sein mögen, den schon als Kanzleramtsminister nicht gerade glücklich agierenden Drozda in diesen Posten zu hieven, es war gewiss eine Entscheidung, die sie schon sehr bald bereuen wird. Wenn Drozda es nicht einmal schafft, das Vertrauen des Präsidiums für die Rolle des geschäftsführenden Klubobmannes zu bekommen, wie soll er dann seine Rolle als „Parteimanager“ ausfüllen. Der Generalsekretär muss schließlich sämtliche Landes- und Vorfeldorganisationen der Partei unter Kontrolle halten und sie so koordinieren, dass die Schlagkraft der Gesamtpartei optimiert wird. Und das wird ein Mann mit derart geringem Rückhalt im Partei-Vorstand wohl kaum zuwege bringen.

[Text: W.T.; Bild: Wikipedia/SPÖ Presse und Kommunikation; Lizenz: CC BY-SA 2.0]