Kardinal Reinhard Marx – einige dürften sich noch seiner erinnern, legte er doch bei einem Besuch des Felsendoms in Jerusalem gemeinsam mit dem evagelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm „aus Respekt vor den Gastgebern“ das Brustkreuz ab.
Nun trat er in Genf bei einem Fachgespräch unter dem Arbeitstitel: „Gegenseitige Beiträge und Bereicherungen: Migranten in Aufnahmegesellschaften integrieren“ auf. Dabei lassen seine Einlassungen als Roten Faden durchaus die Forsetzung seines Kotaus in Jerusalem erkennen. „Wir sind aufgerufen, die Entwicklung jeder Person zu fördern – unabhängig von ihrem jeweiligen Status“, so Marx, der weiter erklärte: „Migranten, Asylbewerber und Flüchtlinge sollten nicht als passive Bittsteller betrachtet werden, sondern als Menschen, die einen Neubeginn wagen.“ Und da ein Neubeginn auch immer Veränderung bringt, wurde er nicht müde zu betonen, dass ein Gemeinschaftssinn gefordert sei, der auf „gegenseitiger Anerkennung und gegenseitiger Wertschätzung“ beruhe. Auf beiden Seiten bedürfe es „einer Bereitschaft, sich auf bislang unbekannte Sichtweisen, Erfahrungen und Gewohnheiten einzulassen“. In dieselbe Kerbe schlug auch der Vetreter des Heiligen Stuhls, Erzbischof Ivan Jurkovic, der für Zuwanderer die Möglichkeit forderte, in den Aufnahmestaaten ihren Lebensunterhalt zu verdienen und Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung zu erhalten. Auch dürfe Integration nicht auf Anpassung hinauslaufen, sondern müsse ein Prozess in zwei Richtungen sein. Ebenso seien „kreative Lösungen“ für eine sichere und legale Einreise von Migranten nötig.
Diese Art des katholischen Marxismus verstanden haben anscheinend bereits die Türken in Deutschland. Laut einer Umfrage des NDR verbinden 83 Prozent der „Deutschtürken“ starke Heimatgefühle mit der Türkei, selbst unter den hier Geborenen. Integration eben im katholischen Sinne.

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