Will man sich heutzutage eine Theater- oder Opernvorstellung ansehen, bekommt man häufig einiges geboten, nur nicht unbedingt das, was man sich erwartet hätte. Nur zu oft scheint es, als würden Regisseure ihre einzige Aufgabe darin sehen, ihr Weltbild auf der Bühne zu zeigen und Stoffe einfach umzuinterpretieren, oder sich vornehmlich darin zu gefallen zu provozieren.

In Russland kostete dies nun Boris Mesdritsch, dem Direktor des Opernhauses Nowosibirsk, seine Stelle. Stein des Anstoßes war eine „Tannhäuser“-Inszenierung des Regisseures Timofej Kuljabin, die Jesus beim Sex zeigte.

Daraufhin kam es zu Protesten orthodoxer Gläubiger, die unter anderem Plakate mit der Aufschrift „ Judas, fünfte Kolonne, raus aus der Kultur“ hochhielten. Der Metropolit von Nowosibirsk, Tichon, klagte schließlich wegen Gotteslästerung in der Inszenierung. Zwar wurden der Regisseur und auch der Operndirektor beim folgenden Prozess freigesprochen, das Kulturministerium entließ den Operndirektor aber dennoch, da es den „Ausdruck des mangelnden Respekts traditionellen Werten gegenüber“ für unzulässig halte. Wie aus dem Ministerium weiter verlautbart wurde, sei „ein staatliches Theater vor allem ein Institut, das der Aufklärung und nicht Provokationen und Selbstwerbung für staatliches Geld dienen soll.“

 

M. H.

 

 

(Bild: Brian Jeffery Beggerly/Flickr)