Wer hätte sich das denken können: die Ausbildung zum Koch wird in Österreich zum Religionsskandal. Anlass dafür ist die 16-Jährige Cancan, der Teenager wollte die Bundesschule für wirtschaftliche Berufe in der Kalvarienberggasse in Hernals besuchen. Das Mädchen wurde aber abgelehnt. Grund: Cancan ist gläubige Muslima und ihre Eltern weigerten sich bei der Schulanmeldung zu unterschreiben, dass ihre Tochter im Kochunterricht Schweinefleisch abschmecken und Alkohol probieren muss – aber nicht nur die Eltern wollten die Genehmigung nicht erteilen, auch Cancan selbst wollte das nicht machen.

Die Schule bot daraufhin einen Kompromiss an: „Sie muss es eh nicht essen, sondern nur ein bisschen kauen, und kann es dann ausspucken, hat uns die Sekretärin gesagt“, erzählt Altintas, Cancans Vater. „Ich finde das lächerlich. Ein Vegetarier wird auch nicht ein paar Mal auf einem Huhn rumkauen und es dann ausspucken.“

Aber weit gefehlt, auch für Vegetarier gilt diese Regelung: „Die Zubereitung und dabei notwendige Verkostung von Fleisch, speziell auch Schweinefleisch [. . .] sowie das Degustieren von alkoholischen Getränken kann für Schüler und Schülerinnen aufgrund ihrer persönlichen Wertehaltung problematisch sein. Da es sich hierbei jedoch um wesentliche Lehrstoffbereiche handelt, kann ein positiver Abschluss nur dann erreicht werden, wenn der Schüler/die Schülerin die Anforderungen dieser Lehrstoffbereiche im geforderten Ausmaß erfüllt“, so das Bildungsministerium.

Nun schaltet sich auch Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, ein: Er empfindet das Schreiben nicht wie Altintas als „lächerlich“, sondern als „skandalös“. „Ich empfinde das als unglaublich und gegenüber Muslimen und Juden als schwerstens diskriminierend. Das steht im absoluten Gegensatz zur freien Religionsausübung, die ein Verfassungsrecht ist.“ Es verstoße weiters gegen das Israelitengesetz, das die Rechte der in Österreich lebenden Juden verankert: Dazu gehören etwa Feiertage und koschere Lebensmittel.

Da es sich um essenzielle Lehrinhalte handelt, welche hier gestrichen bzw. umgangen werden sollen, stellt sich die Frage, wie man reagieren würde, wenn amerikanische Kreationisten am österreichischen Unterricht teilnehmen und fordern vom Biologieunterricht befreit zu werden…

 

[Text: W.-R. M.; Bild: Haeferl/wikimedia.org]