Gerade noch geduldete Pflichtübungen sind es, die rund um Allerheiligen und den vormaligen „Volkstrauertag“ in Deutschland, aber auch um den 10. Oktober in Kärnten, um das Jubiläum von Volksabstimmung und Kärntner Abwehrkampf, stattfinden.

Ein „Heldengedenken“, wie es jahrzehntelang zum Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai von den waffenstudentischen Kooperationen in Wien durchgeführt wurde, ist bereits undenkbar geworden, stattdessen feiern „die Besiegten von 1945“ begeistert die Jubiläen der Sieger.

Frau Merkel begeht mit den Vertretern der ehemaligen alliierten Mächte den Jahrestag des „D-Days“, der Landung der Invasionsflotte vor der Küste der Normandie, Putins pompöse Siegesfeiern in Moskau im vergangenen Mai wären gewiss mit hochrangigsten heimischen Vertretern beschickt worden, wenn nicht aus ganz anderen Gründen von amerikanischer Seite die Order gekommen wäre, den russischen Autokraten zu schneiden. Insgesamt aber feiert man die eigene Niederlage, gedenkt pflichtschuldigst aller Missetaten, die im Namen des eigenen Volkes wirklich oder vorgeblich begangen wurden und vergisst die eigenen Opfer tunlichst.

Es sind nur mehr Randgruppen wie etwa in den Vertriebenen-Verbänden, die der volksdeutschen Opfer, der größten Vertreibungsaktion der Geschichte, gedenken. Und wenn, wie im vergangenen Februar der Jahrestag des Bombardements auf Dresden ansteht, dann überschlagen sich die offiziellen Vertreter Deutschlands darin, die Opferzahlen herunter zu dividieren und darauf hinzuweisen, dass der Krieg schließlich von deutschem Boden ausgegangen und dann eben wieder „zurückgekehrt“ sei. So nach dem Motto, wir sind ja selbst schuld.

Aber damit ist ein Verzicht auf ein Gedenken an unsere Altvordern, an Leben und Leiden unserer Eltern, Großeltern und unserer Urgroßeltern verbunden. Die kollektive Erinnerung, etwa an die geradezu ungeheuerlichen Leiden, die – ob verschuldet oder nicht, bleibe dahingestellt – was deutsche Volk in zwei Weltkriegen zu erdulden hatte, gerät in Vergessenheit.

 

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Bild: Ruchhöft-Plau/wikimedia.org