Es ist wie bei seinem Vorgänger. Bei der EU vertritt SPÖ-Bundeskanzler Kern offenbar andere inhaltliche Positionen als vor heimischen Journalisten in Österreich.

Wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtete, hat Kern beim Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Pressburg keinesfalls einen Abbruch der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei verlangt. Dieses hatte er noch im August angekündigt. Offenbar war das nur eine Luftblase, die seine Führungsqualitäten dokumentieren sollte. In Pressburg, so die „FAZ“, hätte Kern lediglich „realistischen“ Umgang mit Ankara eingemahnt. Das ist genau die geübte Diktion der EU-Regierungschefs.

Kerns Korrektur der ursprünglich lauthals verkündeten „harten Linie“ in der Türkeifrage wurde EU-intern, so die „FAZ“ mit der „Aussichtslosigkeit seiner Forderung und mit der geringen Erfahrung des Regierungschefs“ erklärt. Kern ließ allerdings dementieren und schob auf „Twitter“ nach: Es müssten „Schwerhörige“ gewesen sein, die solches verlauten ließen. Diese Schwerhören stammen laut FAZ allerdings „aus höchsten Kreisen in Berlin“, bzw. „aus dem inneren Kreis beim EU-Gipfel.“ Die Lektion wird sich der österreichische Bundeskanzler wohl merken müssen: Auch Opportunismus will gelernt sein, sonst ist es wie bei den Lügen. Auch er hat kurze Beine.

 

[Text: W. T.; Bild: BKA/Andreas Wenzel]