Kurzfristig gab es in Wien anfangs Dezember 2015 eine heftige Debatte, ob der Nikolaus noch in die Kindergärten kommen soll und wenn mit oder ohne Rauschebart, um die Kleinen nicht zu erschrecken, als plötzlich in den Medien ab dem 6. Dezember 2015 eine Bombe platzte: Der Professor für muslimische Religionspädagogik an der UNI-Wien, Ednan Aslan, hatte festgestellt, Wien hätte mehr radikal salafistische Kindergärten als jede andere Stadt in der EU! Es gäbe in rund 150 Kindergärten 450 islamische Kindergruppen, die ca. 10.000 Kinder besuchen. Organisiert werde das über 127 Betreibervereine. Vor allem konservativ eingestellte muslimische Eltern schicken ihre Kinder dort hin, wo sie „Halal-Essen“ bekommen und vor dem „dekadenten Einfluss der Mehrheitsgesellschaft geschützt werden“. Außer den zu wenigen Pädagoginnen gibt es dort meist „Betreuerinnen“, die in Schnellsiedekursen „ausgebildet“ werden und oft nur schlechte Deutschkenntnisse haben. Aslans Vorwürfe gehen weiter: Die stockreligiöse Erziehung erfolge oft nicht auf Deutsch und ein interreligiöser Dialog finde nicht statt. Aslan: „Einige Kindergärten haben Strategien entwickelt. Man reicht einen korrekten Lehrplan ein, lehrt dann aber wie in einer Koranschule“. Bereits 2009 warnte die Initiative Liberaler Muslime vor Parallelgesellschaften, die in intransparenten Einrichtungen entstehen. Einige Trägervereine würden der Muslimbruderschaft nahe stehen, andere haben salafistische Tendenzen.

Auf diese Vorwürfe von Professor Aslan reagierte am 8. Dezember 2015 der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Fuat Sanac, diese seien eine Aufhetzung. Es sei „undemokratisch“ und „unmenschlich“, dass muslimische Kindergärten extra untersucht werden. Die Vorwürfe seien „lächerlich“. Es stellte sich heraus, dass die MA 11 nur über elf Kontrolleure für alle Kindergärten Wiens verfügt. Die städtische Förderung pro Jahr und Kind sei 2.712 Euro, was für alle Islam-Kindergärten 27 Millionen Euro insgesamt betrage.

 

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[Bild: Thomas Ledl/wikimedia.org]