Am diesjährigen Christopher Street Day (CSD) am 22. Juli in Berlin wird sich auch die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wieder dem Zeitgeist anbiedern und erstmals auf diesem Homo-Event mit einem eigenen Wagen vertreten sein. Der CSD findet jährlich weltweit in einer Vielzahl von Städten statt und soll an die tagelangen Straßenschlachten zwischen Polizei und sexuellen Minderheiten in New York im Jahre 1969 erinnern.

Die Idee, mit einem Umzugswagen bzw. Sattelschlepper an dem Spektakel teilzunehmen, hatte Superintendent Bertold Höcker, dessen Kirchenkreis Stadtmitte die Aktion auch organisiert. Als Hauptorganisatorin der vom evanglischen Sprengel Berlin geplanten Aktion zeichnet die Pfarrerin vom Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte, Stefanie Hoffmann, verantwortlich, die gegenüber den Medien betonte, dass das Ganze keine Aktion der Landeskirche, aber mit ihr abgesprochen sei. Als Schirmherrin fungiert die Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein.

Zudem wurden die Kosten, die bei etwa 10.000 Euro liegen, großteils durch einen Großspender, der anonym bleiben will, mehrere Einzelspender und überschüßige Haushaltsmittel des Kirchkreises abgedeckt.

Die von einigen Medien zuvor kolportierte Verteilaktion wurde jedoch später in einer Presseaussendung dementiert. Angeblich hätten Kondome mit dem Luther-Zitat „Für Huren* und Heilige*“, ganz gendergerecht mit Sternchen sowie Gleitgel verteilt werden sollen. Bei dem ganzen Klamauk, den die EKD veranstaltet um trotz schwindender Anzahl von Schäfchen dennoch „Volkskirche“ bleiben zu können, wäre diese Verteilaktion fast noch sinnvoll gewesen. Denn wie Zahlen des Robert-Koch-Institutes belegen, ist Berlin die Stadt mit dem meisten Neuansteckungen von Geschlechtskrankheiten. Bei Syphilis waren es 39 Infektionsfälle pro 100.000 Einwohner, an zweiter Stelle folgte Hamburg mit rund 21 Fällen. Besonders betroffen von der Krankheit sind in der Regel Männer, Frauen machen nur 6,2 Prozent der Neuansteckungen aus. Und laut Robert-Koch-Institut steckten sich knapp 85 Prozent der Betroffenen bei sexuellen Kontakten zwischen Männern an, nur 15 Prozent bei heterosexuellen Kontakten.

Der Grund, keine „Reformationsjahr-Luther-Gedächtniskondome“ unter das Volk zu bringen, liegt weniger in Bibeltreue „Seid fruchtbar und mehrt euch“ (1. Mose 9:7) begründet, sondern darin, dass die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz dafür Werbung machen will, dass sie bereits seit vergangenem Jahr die Möglichkeit einer kirchlichen Trauung für Homosexuelle anbietet, also „um die Konzentration auf die Botschaft der ,Trauung für alle' zu stärken“.

 

[Text: M. H.; Bild: oulsn/flickr]