Nicht nur sogenannte Künstler fühlen sich bemüßigt, linke Polit-Agitation zu betreiben, sondern auch Sportler. Das betrifft zumindest die USA wo ein regelrechter Kulturkampf zwischen Mannschaften der Football- (NFL) und Basketballliga (NBA) und Präsident Donald Trump ausgebrochen ist. So weigerten sich vergangenes Wochenende die Spieler von 28 NFL-Mannschaften, beim traditionellen Abspielen der US-Hymne stramm zu stehen und knieten stattdessen oder streckten die rechte Faust in die Höhe. Im Vorjahr sorgte ein Basketballer erstmals für Aufsehen, weil er – aus Protest gegen die angebliche Polizeigewalt gegen Afroamerikaner, wie er sagte – sich weigerte, bei der Hymne zu stehen.

Auf die Kritik des damaligen Präsidentschaftskandidaten und nunmehrigen Staatsoberhauptes wurde nun eine regelrechte Kampagne gegen Trump, der sich wehrt, dass nationale Symbole wie eben die Hymne für politische Zwecke missbraucht werden, eröffent. „Sportfans sollten niemals Spieler billigen, die nicht voller Stolz für die Nationalhymne und ihr Land stehen. Die NFL sollte ihre Politik ändern“, teilte Trump über sein Lieblingsmedium Twitter mit.

NFL-Sprecher Joe Lockhart lässt sich von den Worten des Präsidenten nicht beindrucken. Er rechtfertigte das Knien bei der Hymne damit, dass es „ein wichtiger Tag für die NFL“ gewesen sei. Lockhart ist übrigens ein ehemaliger Pressesekretär von Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton.

In den Hauptstrommedien wird nun häufig behauptet, Trump wolle eine unnötige Patriotismusdebatte anstoßen, um von seinen Problemen abzulenken. Und nicht wenige schwingen sogar die Rassismuskeule gegen den Präsidenten. So glaubt der Sender CNN, das Sprachrohr der Trump-Gegner, zu wissen, warum die NFL-Spieler für den Präsidenten ein „gutes Ziel“ abgeben. Unter anderem angeblich deshalb, weil die meisten von ihnen eine schwarze Hautfarbe haben. Und wenn Trump betonte, seine Kritik habe „nichts mit der Rasse zu tun“ – die US-Amerikaner haben kein Problem damit, den Begriff Rasse auch in Bezug auf Menschen zu verwenden – dann laufe das nicht einfach so.

Um den Präsidenten anzupatzen, wird Trumps Wähler- und Anhängerschaft, in der die weißen Arbeiter, die im Vorjahr Clinton den Sieg gekostet hatten, als Ansammlung finsterer Rassisten dargestellt. Laut CNN wisse er nicht nur, dass Schwarze in den NFL- und NBA-Profimannschaften die überwiegende Mehrheit stellen, sondern auch, wenn er die Kritik an den Hymnen-Protesten mit dem Hinweis auf „unser Erbe“ begründe, dass dies von vielen seiner Anhänger als Rassen-Begriff gesehen werde. Überhaupt handelt es sich beim Begriff „unser Erbe“ für CNN um ein einschlägiges „Code-Wort“.

 

[Text: B. T.; Bild: Keith Allison/flickr]