In der letzten Zeit versuchte Kuba, sich in der öffentlichen Wahrnehmung neu zu inszenieren. Offener, freundlicher und freizügiger sollte das kommunistische Inselparadies wirken. Auch mit der teilweisen Einführung der freien Marktwirtschaft wollte das Regime im Westen reüssieren – mit Erfolg. Die USA strichen die Castro-Diktatur von der Liste der Terrorstaaten, und weitere Erleichterungen, wie Reisen für US-Bürger, oder die Lockerung des seit Jahrzehnten bestehenden Handelsembargos sollen folgen – wohl auch, damit US-Senatoren ihren Rum und die Havanna nicht mehr überteuert als Schmuggelware genießen müssen. Auch zahlreiche Wirtschaftskonzerne entdecken die Insel, dank geringer Löhne, für sich. Doch der Friede im Arbeiterparadies ist trügerisch. Nach wie vor ist Kuba ein totalitärer Staat, der auch mit Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. So kam es erst kürzlich durch die kubanische Polizei zu gewalttätigen Übergriffen, als sie über 40 „Damen in Weiß“ und 27 weitere Bürgerrechtler in Havanna festnahmen, um einen Schweigemarsch zu verhindern.

Die Damen in Weiß sind eine Gruppe von Ehefrauen und Müttern politischer Gefangener, die gegen die politisch motivierten Verhaftungen von Regimekritikern protestieren. Sie gehen nach dem Sonntagsgottesdienst schweigend, in Weiß gekleidet und mit Blumen in den Händen, durch Havanna und andere Städte Kubas. Die IGFM (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte) zeigt sich besorgt über den Anstieg gewaltsamer Übergriffe durch die kubanischen Behörden: „Mindestens 631 politisch motivierte Verhaftungen im Mai dieses Jahres und die immer größere Brutalität gegen friedliche Demokratieaktivisten zeigen, dass die Regierung unter Raúl Castro in den Verhandlungen zur Öffnung Kubas lediglich wirtschaftliche Ziele verfolgt. Ein Interesse an Rechtsstaatlichkeit und einer Demokratisierung des Landes hat sie offensichtlich nicht.“

 

M. H.

 

 

(Bild: Hvd69/wikimedia.org)