Der Abgang von Stephen Bannon als Chefstratege im Weißen Haus hat deutliche Folgen auf die US-Außenpolitik. Galt Bannon als Gegner von Interventionen im Ausland, so haben sich nun die „Falken“ vollends durchgesetzt. Deutlich wurde das bei der Rede von Präsident Donald Trump zur neuen Afghanistan-Strategie, die er am 21. August, nur drei Tage nach dem Rückzug Bannons, hielt. Trump will das derzeit 8.400 Soldaten umfassende US-Kontingent um 4.000 Soldaten auf-stocken, damit der längste Krieg der USA, der nun schon fast 16 Jahre andauert, angesichts der „gewaltigen Opfer, die wir erbracht haben“ mit einem „ehrenhaften und dauerhaften Ergebnis“ beendet wird. Auch ließ der Präsident wissen, dass er Einschränkungen früherer Regierung aufhob, welche „uns an vollständigen und raschen Kämpfen mit dem Feind hindern“.

Trump stellte auch Pakistan, das seit jeher ein unsicherer Verbündeter der USA ist, die Rute ins Fenster: „In Afghanistan und Pakistan muss Amerika das Wiederaufkommen sicherer Häfen, die Terroristen erlauben, Amerika zu bedrohen, stoppen“. In Afghanistan sind die radikal-islamischen Taliban, die teilweise aus den von den USA in den 1980er Jahren im Kampf gegen die sowjetischen Besatzer unterstützten Mudschaheddin hervorgingen, wieder auf dem Vormarsch.

Schließlich stellte der Präsident auch klar, dass es in Afghanistan nicht nur um einen „dauerhaften Frieden“ und die Bekämpfung islamistischer Terroristen geht, sondern vor allem auch um handfeste Wirtschaftsinteressen: „Wie der Premierminister von Afghanistan versprochen hat, werden wir an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt werden, was uns helfen soll, die Kosten dieses Krieges zu tragen“. Tatsächlich ist Afghanistan reich an Rohstoffen, deren Wert die bisherigen Kriegskosten der USA in Höhe von 117 Milliarden Dollar um ein Viel-faches übersteigt.

Nach Schätzungen des staatlichen Forschungsdienstes United States Geological Survey haben die in der afghanischen Erde vermuteten Bodenschätze einen Wert von bis zu drei Billionen Dollar. Diese Ressourcen sind, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, „für Afghanistan wahrscheinlich der Schlüssel zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit“. Anschließend heißt es: „Neben Vorkommen an Gold, Silber und Platin hat Afghanistan bedeutende Mengen an Eisenerz, Uran, Zink, Tantal, Bauxit, Kohle, Erdgas und vor allem Kupfer – was angesichts des weltweiten Mangels an neuen, ergiebigen Kupferminen von besonderer Bedeutung ist.“ Vor allem aber hat Afghanistan das Potenzial, zum „Saudi-Arabien für Lithium“ zu werden.

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[Bild: US Army/flickr]