Seitdem die Balkanroute geschlossen wurde, gewinnt für illegale Einwanderer die Überfahrt übers Mittelmeer von Libyen aus wieder an Bedeutung. Allerdings ist Libyen fünf Jahre nach dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi infolge eines NATO-Bombenkriegs, der die Ermächtigung durch eine UNO-Resolution bei weitem überschritt, ein gescheiterter Staat. Tief ins herrschende Machtvakuum konnte der sogenannte Islamische Staat (IS) vordringen und nur mühsam mit Druck des Westens eine libysche Einheitsregierung gebildet werden. Allerdings sitzt diese unter Ministerpräsident Fajes al-Sarradsch auf einen Militärstützpunkt fest und kann nicht in die Hauptstadt Tripolis gelangen.

Eine libysche Einheitsregierung, die über größere Gebiete als nur einen Militärstützpunkt herrscht, wäre aber notwendig, damit die westlichen Mächte, allen voran die USA, ihre Pläne für ein erneutes militärisches Eingreifen umsetzen könnten. Weil nämlich ein UNO-Mandat für einen Militäreinsatz wegen des erwartenden Vetos im Sicherheitsrat so gut wie ausgeschlossen erscheint, bleibe, um nach außen hin den Anschein einer militärischen Aggression zu vermeiden, nur mehr ein „Ersuchen“ der libyschen Regierung.

Wie weit die Kriegsvorbereitungen in den USA bereits vorangeschritten sind, belegte die „New York Times“ am 8. März: „Das Pentagon hat dem Weißen Haus eine Zusammenstellung von sehr detaillierten militärischen Optionen für Angriffe gegen die wachsende Gefahr des Islamischen Staates in Libyen dargelegt, einschließlich einer Reihe von möglichen Luftschlägen gegen Ausbildungslager, Kommandozentralen, Munitionslager und andere Ziele der Kämpfer.“ Allerdings, so schreibt das für gewöhnlich sehr gut informierte Blatt weiter, sei nicht davon auszugehen, dass der Plan aktiviert werde, solange die Obama-Regierung diplomatischen Druck ausübe, damit die verfeindeten Fraktionen in Libyen eine Einheitsregierung bilden.

Darüber hinaus sind in Libyen bereits Spezialkräfte der USA, aber auch Großbritanniens, Frankreichs sowie Italiens im Einsatz.

 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der Zur Zeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk

 

[Bild: Jerry Gunner/flickr]