Den derzeitigen Konflikt in Syrien sieht der syrische griechisch-katholische Patriarch Gregorios III. als von unterschiedlichen Interessen gesteuert. Auch Russland habe „Interessen wie andere Länder auch“. Insgesamt beschrieb er internationale Versuche, Einfluss auf den Bürgerkrieg in Syrien zu nehmen, mit den Worten: „Wir erleben ein Chaos der Interessen.“ Kein gutes Haar ließ der Patriarch an der sogenannten „syrischen Opposition“. Diese sei „bezahlt“, Demonstrationen „gekauft“.

In Syrien lebten inzwischen viele Kriegsgewinnler. Die Immobilienpreise verfielen wegen eines Überangebots. Davon profitiere eine Mafia. Auch Mitarbeiter internationaler humanitärer Organisationen würden hoch bezahlt, so das Kirchenoberhaupt. Kritik übte er auch an der „Willkommenskultur“ in Deutschland. Zwar sei er „froh über die Aufnahme, aber traurig über die Einladung“, denn die Bereitwilligkeit der Bundesregierung, Kriegsflüchtlingen aus Syrien Schutz zu gewähren, werde dort „so verstanden, als wolle Deutschland so und so viele Leute haben“.

Neben der Angst vor dem IS sieht der Patriarch aber noch weitere Gründe für die Ausreisewelle seiner Landsleute, die er mit einer „Epidemie“ verglich. So etwa die „Hoffnung auf ein besseres Leben“ oder einfach die „Lust auf Abenteuer“. Auch dass Menschen aus den Regierungsgebieten flüchteten, bezeichnete er als „nicht wahr“. Im Gegenteil suchten viele Binnenvertriebene Schutz an Orten, die unter der Kontrolle von Syriens Präsident Bashar al-Assad stünden. „Sicherheit ist da, wo die Regierung ist“, sagte Gregorios III. Aus seiner Sicht ist der syrische Präsident das Opfer gezielter Diffamierung. In den westlichen Medien herrschten „Manipulation, Ignoranz, der Wille, über das Schlechte zu informieren“, sagte er. Besonders wies er noch darauf hin, dass es in Syrien unter dem Assad-Clan im Gegensatz zu anderen Ländern im Nahen Osten Religionsfreiheit gibt. Abgesehen vom Libanon sei Syrien das einzige Land in der Region, in dem der Islam nicht Staatsreligion sei.



Text: M. H.
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