Österreichs selbsternannte „Künstlerschaft“ scheint heillos unterfordert. Ausgerechnet jetzt, wo es aufgrund der missliebigen politischen Situation so viel Stoff für neue Projekte gäbe… Doch statt zu schreiben, unterschreibt Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek lieber – und zwar nahezu im Wochenrhythmus: gegen Rechtsextremismus und Faschismus, gegen Burschenschafter und Liederbücher, gegen Antisemitismus und Intoleranz, oder jüngst auf Initiative von SOS-Mitmensch gegen die Kürzung der Mindestsicherung.

Das geht schnell und bringt eine schöne Schlagzeile im „Standard“. Und weil der Appell so wichtig ist, bringen auch wir hier einen Auszug. Allerdings weniger aus inhaltlichen als vielmehr aus sprachtechnischen Gründen. Und zwar als Fehlersuchbild. Also, finden Sie den Fehler:

„Diese Regierung führt vor, wie wir die Armen zum Verschwinden bringen können, denn sie zählen nicht mehr, obwohl sie doch ständig gezählt werden. Aus den Augen, aus dem Sinn. Verschwunden. Für uns und für sie selbst, denn mit dieser neuen Mindestsicherung, die zumindest das Wort Sicherung sofort streichen sollte, sind auch die Menschen abgeschafft, weil sie, ständig über dem Abgrund hängend, nicht mehr leben können"

Na, klingelt’s? Richtig! Hier liegt der Hund begraben: „mit dieser neuen Mindestsicherung, die zumindest das Wort Sicherung sofort streichen sollte“. Eine Mindestsicherung, liebe Frau Nobelpreisträgerin, kann nichts streichen, weil sie kein tätiges Subjekt sein kann. Sie meinen wohl, die „Regierung“ sollte den Begriff „Sicherung“ aus dem Wort „Mindestsicherung“ streichen.

Damit hätten wir die textliche Komponente geklärt. Bleibt noch die inhaltliche: Selbst wenn die Regierung das Wort „Sicherung“ striche – würde sich dadurch für die armen, lieben Ausländer etwas am Beschluss ändern? Wohl kaum. Denn Sprache schafft keine Realitäten – auch wenn Gender- Gutmenschen seit Jahrzehnten diesem Irrtum aufsitzen.

[Text: A.L.; Bild: www.wikipedia.org/ Ghuengsberg ; Lizenz: CC BY-SA 2.0]