Das Ergebnis ist keine Überraschung: Knapp 92 Prozent der Wähler des Kurdengebietes im Nordirak haben sich bei der Volksabstimmung am 25. September für die Unabhängigkeit ausgesprochen. Ob damit der lang gehegte Traum von der Eigenstaatlichkeit in Erfüllung gehen wird, bleibt freilich abzuwarten. Denn nicht nur die irakische Zentralregierung in Bagdad hatte sich im Vorfeld gegen das Referendum der Kurden ausgesprochen, sondern auch die USA. Und die Türkei, die Auswirkungen auf die eigene, teils brutal unterdrückte kurdische Minderheit fürchtet, machte den nordirakischen Kurden klare Drohungen.

Am 1. Oktober wird ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum stattfinden, und zwar in Katalonien. Dieses stolze, im Nordosten Spaniens lebende Volk hat es satt, sich von Madrid gängeln zu lassen – und jährlich etliche Milliarden Euro an den spanischen Staat zu überweisen, ohne eine Gegenleistung zu erhalten. Die Aussicht, dass Katalonien, die klar wirtschaftsstärkste Region Spaniens, nun „adios“ sagen könnte, hat die spanischen Zentralisten in helle Aufregung versetzt.

Weil die katalanische Regierung auf dem Unabhängigkeitsreferendum beharrt, werden Bürgermeister und andere Vertreter des öffentlichen Lebens, welche die Volksabstimmung unbedingt durchführen wollen, eingeschüchtert. Ihnen wird die Verhaftung angedroht, und mit der Entsendung der paramilitärischen Guardia Civil will die Zentralregierung in Madrid den aufmüpfigen Katalanen zeigen, wer der Herr im Hause ist.

Was den Ausgang der beiden Unabhängigkeitsreferenden betrifft, so muss am Ende nicht notwendigerweise eine nationalstaatliche Unabhängigkeit im Sinne des 19. Jahrhunderts stehen. Es könnten auch verschiedene Formen von Autonomie und Souveränität sein oder Modelle für einen Staatenbund. Nicht zentralistische Beißreflexe wie von der Regierung in Madrid oder Drohgebärden, wie von der Erdogan-Türkei geübt, sind gefragt, sondern Offenheit und Kreativität.

 

[Text: A. M.; Bild: Medol/wikimedia.org]