Bekanntlich legt die High Society – oder wie sie in Österreich eher treffend genannt wird: die Seitenblicke-Gesellschaft – großen Wert darauf, eine gesunde Distanz zur Politik zu wahren. Eine goldene Regel, die für gewöhnlich einen sakrosankten Charakter erhält, wenn es explizit um Parteien geht.

Wie man jedoch spätestens seit dem Nationalratswahlkampf 2017 weiß, hat Sebastian Kurz, Spitzenkandidat der „Liste Kurz", nie etwas mit irgendeiner Partei zu tun gehabt, und so fand am 20. Juni im Palais Schönburg das erste Sommerfest des nunmehrigen Bundeskanzlers statt, was von den meisten hörigen Medien umgehend als „Kanzlerfest“ tituliert wurde – auch wenn diese Bezeichnung bisher SPÖ-Kanzlern vorbehalten war, die ihre Festivitäten im damals noch parteieigenen Gartenhotel Altmannsdorf abzuhalten pflegten.

Der salonfähige vorauseilende Gehorsam zahlreicher Prominenter, die pflichtgetreu der Aufforderung zu einem Antrittsbesuch Folge leisteten, zeigte sich in Form einer doch ansehnlichen Gästeliste, die mit einigen prominenten Namen aufwarten konnte: Moderator Armin Assinger, Musikgröße Peter Kraus, Life-Ball-Organisator Gery Keszler, Staatsoperndirektor Dominique Meyer, ORF-Moderatorin Vera Russwurm, der von Kurz abgesägte ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner – und natürlich Wolfang Schüssel als graue Eminenz der ÖVP.

Die geballte Wirtschaftskompetenz der Volkspartei ließ sich ebenso am Fest feiern: Etwa Josef Pröll, der 2009 sein ökonomisches Genie bewies, als er sich das Schnäppchen, den Bayern eine ganze Bank um einen Euro abzukaufen, nicht entgehen ließ – sich aber nun leider Jahre danach weder an den Kauf noch an den Namen „Hypo“ erinnern kann. Ebenso leistete Niki Lauda, der im Februar seinen Flugbegleitern ganze 959 Euro als Brutto-Gehalt gönnte, der Einladung Folge.

Stichwort Religion: Auch Kardinal Christoph Schönborn, an sich Oberhaupt von immerhin doch noch 5 Millionen Katholiken in Österreich, ließ sich mit Bundeskanzler Kurz, der bereits mehrfach und stets unter Jubel seiner Parteifreunde verkündete, der Islam gehöre zu Österreich, ablichten.

Ideologisch flexibel zeigte sich etwa der ehemalige Bundesgeschäftsführer der SPÖ, Josef Kalina: Während am selben Tag an mehreren Orten in der Stadt SPÖ-unterstützte Proteste unter anderem gegen den 12-Stunden-Arbeitstag stattfanden, zog Kalina es vor, den Abend mit seinen neuen Freunden am Kanzlerfest ausklingen zu lassen.

[Text: M.S; Bild: Wikipedia/Helmut Furch; Lizenz: gemeinfrei]