Am 21. November fand in Grafenwörth (Niederösterreich) im Haus der Musik eine Feier der Landarbeiterkammer statt, bei der Dienstjubiläen von Arbeitnehmern im landwirtschaftlichen Sektor begangen wurden. Die Zwangsmitgliedschaft in den Kammern wird immer mehr kritisch gesehen, da diese meist nicht neutral agieren, sondern von Parteipolitik regelrecht verseucht sind. Auch diese Veranstaltung wurde von ÖVP-Mandataren dominiert. Anwesend waren u. a. der Präsident des niederösterreichischen Landtages Karl Wilfing, der Bürgermeister von Grafenwörth Alfred Riedl und der Präsident der Landarbeiterkammer Andreas Freistetter.

Damit sich überhaupt jemand diese fade Parteiveranstaltung antut, wurden die Geehrten mit Geldprämien, z.B. 120 Euro für eine zehnjährige Dienstzeit, und freier Verköstigung angelockt. Außer für überschwängliche Lobesreden auf die Volkspartei wurde die Gelegenheit auch genutzt, um über den Koalitionspartner in der Form von Innenminister Herbert Kickl abzulästern. Laut Wilfing seien zahlreiche Aussagen des Ministers über Einwanderer oft „unter der Gürtellinie“ und man müsse diesbezüglich „viel aushalten“. Über die linken Parteien verlor er hingegen kein Wort. Auch die Propaganda für die EU kam nicht zu kurz. Diese sei in den Augen des Landtagspräsidenten supertoll und würde Österreich ach so viele lukrative Förderungen bescheren. In Wahrheit handelt es sich hierbei aber um ein Verlustgeschäft, da Österreich viel mehr Geld nach Brüssel schickt, als wieder zurückkommt. Passend dazu wurde von einer Blasmusikkapelle auch die EU-Hymne abgespielt.

Wie für ÖVP-Wirtschaftslobbyisten nicht ungewöhnlich, wurde auch deutlich Werbung für Multikulti, bzw. für den Import von Billigarbeitern gemacht. Die Ausländer, die schon da seien, solle man „integrieren“, weil diese würden ohnehin für immer hier bleiben, meinte Wilfing. Da könne man eben nichts machen. Allen Ernstes wurde zudem behauptet, dass gegenwärtig die Landarbeiter sowieso keine Konkurrenz aus dem Ausland mehr hätten, da man dort bereits so viel wie in Österreich verdienen würde. Die Realität schaut natürlich ganz anders aus. Gerade in dieser Branche, etwa in Forst- und Gärtnereibetrieben, ist das Einkommen durch die Löhndrücker aus benachbarten EU-Ländern massiv gesunken. So mancher Anwesender war über die einseitige parteipolitische Zwangsberieselung alles andere als erfreut.

[Text: G.I.N.; Bild: Wikipedia/Phlipp Monihart; Lizenz: CC BY-SA 4.0]