Der alte Jean-Marie Le Pen macht aus seinem Herzen keine Mördergrube und stellt die politisch korrekten Dogmen der Zeitgeschichtsschreibung gerne infrage. Dies betrifft etwa die von Deutschen begangenen Verbrechen, und auch gegenüber der französischen Haltung nimmt er eine kritische Haltung ein, die dem linken Zeitgeist widerspricht. So meinte Jean-Marie Le Pen kürzlich in einem Interview, er habe Marschall Petain, der während des Zweiten Weltkriegs mit dem Deutschen Reich zusammenarbeitete, nie als schlechten Franzosen eingestuft.

Prompt trat der politisch korrekte Flügel im Front National auf den Plan, und FN-Vize Florian Philippot gab öffentlich einen „völligen und endgültigen Bruch“ mit dem FN-Gründer bekannt. Und dessen Tochter, die heutige Front National-Vorsitzende Marine Le Pen, erklärte, ihr Vater werde bei den kommenden Regionalwahlen in Südfrankreich nicht kandidieren. Der EU-Abgeordnete Bruno Gollnisch stellte sich hingegen hinter den Parteigründer und verteidigte „die Meinungsäußerungsfreiheit von Jean-Marie Le Pen, dem wir die ganze Existenz des Front National verdanken“.

Politische Beobachter sind in Bezug auf die Vorgänge im Front National geteilter Meinung. Die einen sehen in der Trennung von Jean-Marie Le Pen eine Zerreißprobe für die Partei und die anderen Marine Le Pens politisch korrektes Rezept als ein Mittel, um den Weg in die Mitte und in den Elysee-Palast zu öffnen.

 

A. M.

 

 

(Bild: Kenji-Baptiste OIKAWA/wikimedia.org)