Vor fünf Jahren hatte die NATO einen „humanitären Einsatz“ in Libyen. Kampfflugzeuge, vor allem aus Frankreich und Großbritannien bombardierten zum „Schutz“ der Zivilbevölkerung Stellungen des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi. Und im Hintergrund zogen die USA die Fäden, die auch diesen nordafrikanischen Staat um jeden Preis in ihre Einflusssphäre bringen wollten. Leidtragende dieser „humanitären Intervention“ ist einmal mehr die Zivilbevölkerung, wie nun auch die UNO-Gesundheitsorganisation WHO bestätigt.

Die Welt-Gesundheitsorganisation warnt, dass aufgrund des Bürgerkriegs das libysche Gesundheitssystem „am Rande des Zusammenbruchs“ stehe. Rund 1,9 der insgesamt 6,5 Millionen Einwohner des Wüstenstaates hätten keinen ausreichenden Zugang zu medizinischer Versorgung, etwa weil infolge der gewalttätigen Auseinandersetzungen, die der vom Westen verursachten Zerstörung funktionierender staatlicher Strukturen folgte, Krankenhäuser geschlossen wurden oder nur mehr eingeschränkt arbeiten können.

Zuletzt äußerte die WHO ihr Bedauern über den Tod von zwölf Säuglingen in der Station für Frühgeborene in der Stadt Sabah im Süden des Landes. Todesursache waren eine bakterielle Infektion sowie unzureichend ausgebildetes Personal. Somit unterscheiden sich die Zustände in den libyschen Spitälern grundlegend von jenen der Gaddafi-Ära. Damals konnte Libyen seinen Bürgern die bei Weitem beste Gesundheitsversorgung auf dem afrikanischen Kontinent bieten, und das libysche Gesundheitswesen war durchaus mit dem von einigen europäischen Ländern vergleichbar.

 

[Text: B. T.; Bild: ليبي صح/wikimedia.org]