Das Bürgerkriegsland Libyen droht zu einem großen Problem für Europa zu werden. Denn die international nicht anerkannte islamistische Gegenregierung (GNC) in Tripolis droht, „Hunderttausende“ zusätzliche Armuts- und Wirtschaftseinwanderer nach Europa zu schicken, wenn sie von der EU nicht anerkannt wird. „Um ehrlich zu sein, ich habe meiner Regierung oftmals geraten, dass wir Boote anmieten und diese nach Europa schicken sollen. Wir schützen die Tore Europas, aber Europa erkennt uns nicht an und will uns nicht anerkennen“, sagte Dschamal Zubia, der Sprecher der „Regierung zur nationalen Rettung“, der britischen Zeitung „The Telegraph“.

Allein im vergangenen Jahr kamen rund 170.000 Einwanderer, hauptsächlich aus Schwarzafrika, von Libyen aus über das Mittelmeer nach Italien. Heuer zwischen Jänner und September waren es 130.000. Zuletzt ist die illegale Masseneinwanderung aus Afrika aufgrund des Zustroms über die Ägäis nach Griechenland aus dem Blickfeld geraten.

Mit der Drohung will die Gegenregierung – die von der EU anerkannte Regierung befindet sich im ostlibyschen Tobruk – von den Europäern auch mehr Geld erpressen. Für die ungebetenen Gäste aus Schwarzafrika geben die libyschen Behörden rund 110 Millionen Euro im Jahr aus, was für das vom Bürgerkrieg schwer in Mitleidenschaft gezogene Land nicht gerade einfach ist.

Europa zahlt nun den Preis dafür, dass man sich 2011 als Helfer der USA am Sturz des damaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi beteiligt hatte. Der Exzentriker stieß zwar manchmal Drohungen in Richtung EU aus, Wirtschafts- und Armutsflüchtlinge nach Europa zu schicken, erwies sich aber bei der Bekämpfung der illegalen Massenzuwanderung übers Mittelmeer als zuverlässiger Partner.

 

 

Text: B. T.
Bild: Irish Defence Forces/wikimedia.org