Schwere Vorwürfe gegen die türkischen Behörden erhebt der oppositionelle Parlamentsabgeordnete Eren Erdem. Gegenüber dem russischen Nachrichtensender RT sagte Erdem, die Türkei habe zugelassen, dass über ihr Staatsgebiet das Giftgas Sarin in jene Gebiete Syriens geliefert wurden, die unter der Kontrolle von Al Kaida bzw. des sogenannten Islamischen Staates (IS) stehen: „Ausgangsstoffe für chemische Waffen wurden in die Türkei gebracht und in Syrien in Lagern des IS zusammengesetzt, der damals als Al Kaida im Irak bekannt war“. Erdem zufolge waren die türkischen Sicherheitsbehörden und Nachrichtendienste in Kenntnis der Umstände, schritten aber nicht ein.

Der Abgeordnete der kemalistischen Republikanischen Volkspartei (CHP) erhebt darüber hinaus schwere Anschuldigungen gegen nicht näher genannte europäische Länder. Denn Erdem weist ausdrücklich darauf hin, dass die Ausgangsstoffe für das Giftgas nicht türkischen Ursprungs sind: „Alle Ausgangsmaterialien wurden in Europa erworben. Westliche Institutionen sollten ihre eigenen Beziehungen hinterfragen. Westliche Quellen wissen sehr genau, wer die Angriffe mit Sarin-Gas in Syrien ausführte.“ Mit dem letzten Satz verdeutlicht Erdem, dass nicht der syrische Präsident Baschar al-Assad chemische Waffen gegen sein eigenes Volk einsetzt, sondern islamistische Terrorbanden. Aber diese Wahrheit passt nicht ins Konzept des Westens und des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Erdogan ist denn auch an der Aufklärung der Rolle der Türkei beim Einsatz chemischer Waffen im Nachbarland nicht im Geringsten interessiert und beschimpft stattdessen Erdem als „Vaterlandsverräter“. „In diesem Land gibt es einen Abgeordneten, der tief in einer Grube des Verrats begraben ist, und eine Partei, die behauptet, so alt wie die Republik zu sein, während sie in einem Interview mit einem ausländischen Fernsehsender sagt, dass die Türkei chemische Waffen an Terroristen verkauft“, sagte Erdogan bei einer Rede in der Stadt Konya.

 

 

Text: B. T.
Bild: Screenshot erenerdem.net