„Ein rechtsextremer Kolonialoffizier“, lautete das Urteil des gescheiterten SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz über den neuen US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell. Was kann der Mann gesagt oder getan haben, um derartiges Ungemach heraufzubeschwören?

Grenell erklärte in einem Interview mit dem rechtskonservativen amerikanischen Internetportal „Breitbart-News“, dass er bereit sei, konservative Politiker und Bewegungen in Europa zu unterstützen. Im Unterschied zu den Linken haben diese begriffen, sich auf die Migrations- und Integrationsfragen konzentrieren zu müssen. Als Beispiel nannte er die neue Regierung in Wien. An den Bundeskanzler richtete er eine Einladung, welche dieser prompt annahm.

Handelt es sich hierbei um das Gebaren eines „rechtsextremen Kolonialoffiziers“? Mitnichten. Handelt es sich hierbei um das Gebaren eines klassischen Diplomaten? Mitnichten. Und das ist genau der Punkt. Die Linken sind wie vor den Kopf gestoßen, wenn jemand in verständlichen Worten den Nagel auf den Kopf trifft. Anstatt sich darüber glücklich zu schätzen, dass nach acht Jahren Obama-Verklausulierungen Klartext gesprochen wird, mokiert man sich über die Deutlichkeit der Aussagen.

Amerika hat im Zuge seiner Gegenküstenstrategie kein Interesse an einer kulturellen Umgestaltung Europas bedingt durch Massenzuwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten. Diese würde Hand in Hand mit einer Destabilisierung einhergehen. Der Historiker Walter Laqueur warnte bereits zu Beginn des Jahrhunderts davor, dass Europa ein Freilichtmuseum für chinesische Touristen wird.

Diese nicht so weit hergeholte Prognose ist keine attraktive Alternative zu einem Ausbau bzw. einer Wiederbelebung der „Pax Americana.“ Was eine „Pax Russia“ oder eine „Pax Sinica“ bedeuten, kann man mit einem Blick in die Geschichtsbücher bzw. in die Zeitungen ablesen. Von Ungarn 1956 bis Tibet und Taiwan heute. Trotz Notwendigkeit der Kooperation...

[Text: G.B.; Bild: Wikipedia.org/US Consulate Munich]