Als bekannt wurde, dass in einer niederösterreichischen Volkschule acht Schüler die
3. Klasse wiederholen, davon jedoch vier mit der Jahresnote genügend in Deutsch freiwillig, zeitigte dies rasch Folgen. In einem Entwurf des Bildungsministeriums zur Schulreform heißt es: „Moderne Pädagogik darf ein Wiederholen von Schulstufen in diesem Altersbereich nicht zulassen.“

Nur in Ausnahmefällen sei es möglich, dass Kinder freiwillig eine Schulstufe wiederholen, was aber „äußerst restriktiv“ zu handhaben sei. Schützenhilfe bekam Heinisch-Hosek dafür sofort vom OECD-„Bildungsexperten“ Andreas Schleicher, der folgenden Unsinn behauptete: „Klassenwiederholungen in früheren Schuljahren machen es wahrscheinlicher, dass Schüler später schlechte Leistungen erbringen. Sitzenbleiben sei deshalb ein Risikofaktor für Leistungsschwache. Wer eine Klasse wiederholt, habe im Vergleich zu anderen Schülern das 6,4-fache Risiko auf eine Einordnung als Leistungsschwacher.“

Dabei hat er aber „vergessen“, dass sich unter „Sitzenbleibern“ logischerweise deutlich mehr Leistungsschwache befinden! Auch der Professor für Bildungswissenschaften an der UNI-Wien, Stefan Hopmann, entblödete sich nicht zu behaupten, dass repetieren schädlich sei. Das habe damit zu tun, dass das „Selbstbild“ beschädigt werde und die Lernmotivation sinkt. In welchem Ausmaß das erhöhte Risiko zu den Leistungsschwachen zu zählen, auf die Negativwirkung des Sitzenbleibens zurückzuführen ist, lasse sich aber nicht beurteilen, so Hopmann. Dazu müssten Schüler länger beobachtet werden.

Auch die OECD schränkt ein, dass kein kausaler Rückschluss aus dieser Analyse gezogen werden kann. Die langjährigen Erfahrungen der aktiven Pädagogen sehen jedoch anders aus. Meistens verbessern sich Schüler deutlich, wenn sie ein Jahr wiederholt haben und ein Entwicklungsrückstand so aufgeholt wurde.

Früher war es selbstverständlich, dass ein Schüler, der nach einem Jahr Volkschule noch nicht ausreichend Lesen und Schreiben konnte, die 1. Klasse wiederholen musste!

 

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[Bild: DALIBRI/wikimedia.org]