Die Italiener drohen auszusterben. 2015 sank die Geburtenrate zum fünften Mal in Folge und liegt nun bei nur mehr 1,35 Kindern pro Frau. Außerdem kamen in Italien im Vorjahr erstmals weniger als 500.000 Kinder zur Welt. Dem will Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin gegensteuern und erklärte den 22. September zum „Fruchtbarkeitstag“. An diesem Tag sollten hochkarätige Konferenzen zum Thema Fortpflanzung abgehalten werden, wie Lorenzin erklärt, „die Öffentlichkeit für das Problem der Unfruchtbarkeit zu sensibilisieren, die bereits viele Paare betrifft“.

Außerdem ließ die Ministerin, die der Mitte-Rechts-Partei „Neue rechte Mitte“ angehört, in den Medien Inserate schalten, um junge Italiener zu mehr Nachwuchs zu animieren. Darin wurde vor allem auf die biologische Uhr der Frau hingewiesen. „Beeile dich, warte nicht auf den Storch!“, heißt es in einer Einschaltung. In einer andere ist wiederum zu lesen: „Schönheit bleibt, Fruchtbarkeit nicht.“ Lorenzin selbst wurde erst im Vorjahr im Alter von 43 Jahren Mutter von Zwillingen.

Was folgte, war heftige Kritik von linker Seite. So ist unter anderem von einem „Affront für viele unfruchtbare Paare und für Menschen, die wegen Beschäftigungsproblemen keine Familie gründen können, die Rede“. Vereinigungen von Radikal-Emanzen, die politisch korrekt als „Frauenverbände“ bezeichnet werden, unterstellen Lorenzin, Vorwürfe gegenüber Frauen zu erheben, die sich freiwillig für die Kinderlosigkeit entschieden haben. Und natürlich wurde auch die Faschismuskeule ausgepackt. Denn der Vorstoß der Gesundheitsministerin erinnere angeblich an Kampagnen aus der Zeit Mussolinis für mehr Geburten in Italien. Wenig überraschend distanzierte sich auch Italiens linker Ministerpräsident Matteo Renzo von Lorenzin.

 

[Text: B. T.; Bild: Tom Adriaenssen/wikimedia.org]