Die neue Unterrichtsministerin erbte von ihren Vorgängerinnen gigantische schulpolitische Baustellen. Seit dem konnte man in den Tageszeitungen vieles über die „Reformideen“ der neuen Ministerin nachlesen.

Bereits am 26. Mai verkündete sie einen „Nationalen Bildungsplan“. Darin fordert sie „Mindeststandards“ (?) in den ersten Schuljahren und eine neue Didaktik, die angeblich mehr auf das einzelne Kind eingeht. Angesichts der „neuen Aufgaben“ der Volksschule empfiehlt das „Expertenpapier“ auch eine „Ausweitung der Lernzeit, sprich mehr Stunden in der Schule für Kinder unter 11. Laut OECD verbringen Österreichs Volksschüler pro Jahr nur 705 Stunden im Klassenzimmer, während es im OECD-Durchschnitt 794 sind. Schuld daran ist die ehemalige Unterrichtsministerin Gehrer (ÖVP), welche 1998, ähnlich wie in anderen Schultypen auch, in der Volksschule eine niveausenkende Kürzung der wöchentlichen Unterrichtszeit um drei Stunden vornahm! Was damals als pädagogische Entlastung der Volksschüler verkauft wurde, war in Wirklichkeit eine Budgetsparmaßnahme!

Zum „Bildungsplan“ reagierte sofort der FPÖ-Bildungssprecher NR Dr. Walter Rosenkranz mit folgender Presseaussendung: „Der nationale Bildungsplan dokumentiert einmal mehr den Stillstand in der heimischen Bildungspolitik. Die Baustellen unseres Bildungssystems sind darin Schwarz auf Weiß nachzulesen.“ Die neue Regierungsmannschaft von BK Kern und Hammerschmid fänden darin eine lange Liste, die es für Verbesserungen des Bildungssystems abzuarbeiten gelte. „Zu erwarten ist aber, das auch sie den Kurs ihrer Vorgängerinnen Heinisch-Hosek und Schmied fortsetzen wird, weil die SPÖ im Grunde gar nichts ändern will“, so Rosenkranz.

Beim Vorsitzenden der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer, Paul Kimberger, stößt die Forderung nach mehr Unterrichtszeit in der Volksschule auf offene Ohren. Im „Standard“ vom 28. Mai wiederholt er seine Forderung, dass in den ersten Jahren in den Volksschulklassen von zwei Lehrern gleichzeitig unterrichtet wird. Schließlich wisse man, dass die Pädagogen „mit einem Entwicklungsunterschied von bis zu drei Jahren“ konfrontiert seien und „diese Heterogenität nicht schaffen“.

 

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[Bild: SPÖ Presse und Kommunikation/flickr]