Die neue griechische Regierung hat es sich zur Aufgabe gemacht auch die „Reichen“, die durch die griechischen Steuergesetze bisher begünstigt waren, künftig zur Kasse zu bitten. So leicht wird das gar nicht gehen, weil ein anderes EU-Land es ihnen ermöglicht, ihr Geld am griechischen Fiskus vorbei zu schwindeln. Wie „Report Mainz“, ein Politmagazin des ARD, berichtet nutzen vor allem reiche Griechen ein Steuerschlupfloch im Vereinigten Königreich, um sich der Besteuerung in Griechenland zu entziehen.

Der britische Vermögensverwalter Martin Graham von der „Oracle Capital Group“ sagte „Report Mainz“: „Von den superreichen Griechen kommt immer mehr neues Geld aus Griechenland. London ist besonders attraktiv für die Griechen wegen der Steuergestaltung.“ Griechen, die ihren Wohnsitz nach London verlegen, können auf diese Weise die Steuerpflicht in Griechenland umgehen. Denn sie müssen in Großbritannien nur das versteuern, was sie in Großbritannien verdienen oder was aus dem Ausland auf britische Konten fließt. Von der Besteuerung der Gewinne und Einkommen, die sie außerhalb des Vereinigten Königreichs erzielen, können sie sich mit einer Art Steuerpauschale freikaufen – die sogenannte „Remittance Basis Charge“. „Man muss überhaupt nichts den britischen Steuerbehörden nachweisen, nur was auf dem eigenen britischen Konto landet, das muss versteuert werden“, sagt Vermögensverwalter Martin Graham, „für den Rest interessieren sich die britischen Finanzbehörden nicht.“

Das bestätigt auch der Londoner Immobilienmakler Noel de Keyzer, der Luxusvillen an reiche Griechen vermittelt: „Großbritannien hat keinerlei Kontrolle über die Gelder, die außerhalb Großbritanniens sind. Das ist sehr interessant für Millionäre und Milliardäre, die hier Häuser kaufen. Die können so legal Steuern umgehen, es ist so ein Weg, um Investments nach Großbritannien zu locken.“

Griechenland hat so praktisch keine Chance mehr an das Geld der griechischen Reichen zu kommen, wenn es Länder in der EU gibt, die aus Profitgründen für Steuerflüchtlinge aus anderen EU-Staaten die Türen aufmachen.

Besonders bezeichnend für die Teilnahme an der so oft zitierten Europäischen Solidaritätsgemeinschaft ist dies, wenn es Mitgliedstaaten wie das Vereinigte Königreich tun, die selbst nichts zur Stützung der Krisenstaaten beitragen, weil sie selbst nicht der Eurozone angehören.

 

W. T.

 

 

(Bild: Vaughan Leiberum/Flickr)