Auch bei den Franzosen steht die EU nicht hoch im Kurs. So antwortete Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einem Interview mit dem britischen Sender BBC auf die Frage, ob es bei einem EU-Austrittsreferendum dasselbe Ergebnis geben würde wie bei der Brexit-Volksabstimmung im Vereinigten Königreich: „Ja, wahrscheinlich, wahrscheinlich. Ja. In einem ähnlichen Kontext.“

Allerdings muss die Europäische Union nicht fürchten, dass ihr mit Frankreich ein weiteres wichtiges Mitglied abhandenkommt. Denn Macron machte gegenüber der BBC aus seiner Abneigung gegenüber Volksabstimmungen kein Hehl. So sagte der französische Präsident, es sei ein „Fehler, wenn man nur nach Ja oder Nein fragt und die Leute nicht fragt, wie die Situation verbessert werden kann“. Zudem gehe man „immer ein Risiko ein, wenn man in einer Volksabstimmung über eine so komplizierten Sache (wie dem EU-Austritt, Anm.) nach Ja oder Nein fragt“.

Mit anderen Worten: Macron ist der Auffassung, dass dem Volk, also dem Souverän, die intellektuellen Fähigkeiten fehlen, um über einen EU-Austritt zu entscheiden. Und wenn Macron vom „Risiko“ spricht, das mit einer Volksabstimmung seiner Ansicht nach verbunden sei, könnte er das Referendum über die EU-Verfassung im Jahr 2005 im Auge haben. Damals bewiesen die Franzosen gesunden Hausverstand und lehnten zu 54 Prozent dieses zentralistische Projekt ab.

Sollten die Franzosen über einen „Frexit“ entscheiden können, wäre der Ausgang ungewiss. In einer Umfrage des Instituts TNS Sofres, gaben nur 45 Prozent der befragten an, dass sie für einen Verbleib in der EU sind. Für einen EU-Austritt Frankreichs treten der Front National sowie mehrere linke Kleinparteien ein.

 

[Text: B. T.; Bild: kreml.ru/Wikipedia; Lizenz: Creative Common/Attribution 4.0]