Während heute linkslinker Feminismus und Gender-Wahn mit Frauenrechten gleichgesetzt wird, geraten die Vorkämpferinnen für die Gleichberechtigung von Frau und Mann in Vergessenheit. Das trifft auch auf Marianne Hainisch (1839-1936), die Mutter des national-liberalen Bundespräsidenten der Ersten Republik, Michael Hainisch, zu. So erkannte die engagierte Frau als Gattin eines Textilindustriellen in den 1860er Jahren, wie schwierig die Lage der Arbeitnehmerinnen war. Denn zu dieser Zeit gerieten viele Frauen von Baumwollspinnern in große Not, weil wegen des amerikanischen Bürgerkriegs keine oder viel zu wenig Baumwolle nach Europa geliefert wurde.

Aufgrund ihrer Einblicke und Einsichten setzte sie sich für die Verbesserung der Erwerbsvoraussetzungen von Frauen ein, die sie vor allem in gleichberechtigten Bildungsmöglichkeiten sah. Sie trat dem „Frauen-Erwerbsverein“ bei, der 1866 gegründet worden war. Ihren ersten großen Erfolg feierte sie 1870, als sie in ihrer Schrift „Zur Frage des Frauenunterrichts“ Realgymnasien für Mädchen und den Hochschulzugang für Frauen forderte. Am 12. März 1870 erhielt sie die Bewilligung eines eigenen Realgymnasiums für Mädchen, was als Geburtsstunde der österreichischen Frauenbewegung gilt.

1902 gründete Hainisch den Bund österreichischer Frauenvereine, dessen Vorsitzende sie bis 1918 war. 1903 wurde dieser als offizieller Vertreter des Frauenweltbundes in Österreich anerkannt. Im Jahr 1909 wurde sie zur Vizepräsidentin des Frauenweltbundes gewählt. Marianne Hainisch gilt auch als Initiatorin des Muttertags in Österreich, der hierzulande seit 1924 gefeiert wird.

 

[Text: F. X. S.; Bild: Österreichisches Volkshochschularchiv/wikimedia.org]