Ein dreihundert Seiten starker Bericht der US-amerikanischen Investmentbank „Merrill Lynch“ schreibt laut dem „Guardian“ von einer zu erwartenden „vierten industriellen Revolution“. Maschinen werden in absehbarer Zeit neben mechanischen auch zunehmend analytische Arbeiten übernehmen. Als negative Auswirkung schreibt der Bericht von einem gewaltigen Verlust an Arbeitsplätzen. Davon betroffen ist vor allem das untere Einkommens-Segment. Doch nicht ausschließlich, auch Analysearbeiten, die entweder hohe Genauigkeit oder große Datenmengen erfordern, werden bald von Maschinen und Rechenprogrammen übernommen.

Schon in wenigen Jahren könnten Rechner darüber entscheiden, ob ein beantragter Kredit aufgrund bestimmter Sicherheiten gewährt wird oder nicht. Für die Sozialstaaten in Europa ist besonders gefährlich, dass Mindestlöhne den Trend zur Automatisierung verstärken. Ein US-Betrieb stellte vor Kurzem eine Maschine vor, die 360 Hamburger pro Stunde ohne jede menschliche Hilfe herstellt. Nach einer Studie der „Oxford Martin School“ werden etliche Wirtschaftsbereiche unterschiedlich betroffen sein: „In einer ersten Welle werden demnach Arbeiter im Logistik- und Transportbereich ersetzt, zusammen mit Büro- und Verwaltungsanstellten. Nach einer Ruhephase folgt dann eine zweite Welle der Automatisierung, von der Tätigkeiten im Bildungswesen, im Gesundheitsbereich und im Management erfasst sind.“Unternehmen die sich nicht rechtzeitig anpassen, werden Schwierigkeiten bekommen, andere die dem Zug der Zeit folgen, ihre Produktivität um bis zu 30 % steigern können.

Beispielhaft wird auf die japanische Autoindustrie verwiesen, wo Roboter bereits heute bis zu einem Monat ohne menschliches Zutun durcharbeiten. Japan hat auch den Arbeitskräfte-Mangel der 70-er und 80-er Jahre durch Technisierung problemlos gemeistert und dabei Deutschland, das auf Fremdarbeiter setzte, locker überrundet. Das Ausweichen auf Billigarbeiter (Extremfall Billiglohnländer) kann laut dem Bericht eine maximale Kostenreduktion um 65 % bringen, jenes auf technologische Innovation aber um 90 %. Wenn man nun bedenkt, dass die Heerscharen an Wirtschaftsflüchtlingen und illegalen Einwanderern der letzten Monate zum überwiegenden Teil, wenn überhaupt, im Billiglohn-Sektor unterkommen können, stellt sich die Frage, wer deren Leben bei uns finanzieren soll. Abgesehen davon wird, wenn unsere Wirtschaft der Verlockung der Billig-Arbeitskräfte nicht widersteht, die Wirtschaftsleistung gegenüber Asien und den USA noch weiter zurückfallen.

 

 

Text: H. W.
Bild: Koraro/wikimedia.org