Die politische Korrektheit scheint die solide fachliche Ausbildung von Medizinstudenten zu ersetzen – zumindest in Dresden, wo Medizinstudenten nun das Wahlfach „Flüchtlingsversorgung“ belegen können. Im Grunde genommen handelt es sich bei diesem „Wahlfach“ um nichts anderes als um ein Praktikum in der Flüchtlingsambulanz, bei welchen „soziale Kompetenzen vermittelt“ und „kulturelle Hintergründe erklärt“ werden sollen, wie Henna Riemenschneider, eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Dresdner Uniklinik, erklärt. Die „Flüchtlingsambulanz“ selbst war im Herbst 2015 entstanden, um die Einwanderer mit Unterstützung von Dolmetschern behandeln zu können.

Zudem gibt es Anzeichen, dass in den kommenden Jahren in der Bundesrepublik Deutschland eine Art Zweiklassenmedizin – Einheimische und integrierte Einwanderer auf der einen, sogenannte „Flüchtlinge“ auf der anderen Seite – entstehen wird. Denn Antje Bergmann, Chefin der Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät an der Uni Dresden, sagt: „Im zukünftigen Arztberuf werden diese Herausforderungen in den nächsten Jahren aber drastisch ansteigen.“ Deshalb sei es sinnvoll, die Medizinstudenten auf die Arbeit mit Dolmetschern vorzubereiten.

Scharfe Kritik an der Einführung des Wahlfachs „Flüchtlingsversorgung“ kommt von der AfD Sachsen. Deren Vizevorsitzender Thomas Hartung spricht von einem falschen Signal: „Das ist kein wissenschaftliches Fach, hier werden medizinische Inhalte und soziokulturelle Kompetenz in eins geworfen und falsche, weil formale Prioritäten gesetzt.“ Außerdem weist Hartung auf die politisch motivierte Verlagerung medizinischer Inhalte auf Formalia hin, die eher in der Alltagspraxis zu erwerben sind.

 

[Text: B. T.; Bild: Victor Santa Maria/wikimedia.org]