Unter dem Titel „Warum keine Hausabtreibung? Filme und Popkultur stellen Abtreibungen riskanter dar, als sie tatsächlich sind. Realistischere Darstellungen wären gut, mehr Forschung wäre besser.“ schreibt Mithu Sanyal (von ihr kommt auch der Vorschlag Opfer von Vergewaltigungen als „Erlebende“ zu bezeichnen - lesen Sie HIER mehr dazu) über die so negative Darstellung von Abtreibungen durch Hollywood und will aufzeigen, wie furchtbar die Traumfabrik agiert weil sie nicht die für sie „wahren Konsequenzen“ auf die Leinwand bringt:

Nun könnte es an meiner selektiven Wahrnehmung liegen, dass Abtreibung im Film meist schlecht ausgeht. Tut es aber nicht wie die Soziologinnen Gretchen Sisson und Katrina Kimport herausgefunden haben. Von allen Abtreibungen im us-amerikanischen Fernsehen und Kino zwischen 2005 und 2016 führten 37,5 Prozent zu Komplikationen. Im Gegensatz zu 2,1 Prozent der realen Abtreibungen. Ich spreche hier natürlich von legalen Abtreibungen.

Auch beschwert sie sich darüber, dass die Filmcharaktere für eine Abtreibung immer einen „Preis“ zahlen müssen:

Aber die meisten Filme spielen doch bevor Abtreibung legalisiert wurde? (Als wäre Abtreibung inzwischen kein Problem mehr. Sogar in Deutschland ist Abtreibung keineswegs legal, sie ist nur straffrei.) Auch für legale Abtreibungen müssen die Filmfiguren – siehe Claire – einen Preis zahlen. Dabei ist Unfruchtbarkeit keineswegs ein hohes Abtreibungs-Risiko. Das Kino bringt es jedoch auf 22,5%. Und 5% aller TV-Abreibungen enden tödlich. Das sind 7.000 mal mehr als in der Realität.

Und auch die Folgen einer Abtreibung sind für die „TAZ“-Schreiberin Mithu Sanyal eher lächerlich:

Was lernen wir daraus? Dass Abtreibung eine gefährliche Sache ist, sogar wenn sie in der Zukunft passiert wie in Defying Gravity. Nur dass es bei der Astronautin Zoe psychische Folgen sind. Oh Mann, die psychischen Folgen …

Und dann beginnt Sanyal auch noch aus dem Nähkästchen zu plaudern und zeigt wie banal für sie dass Thema ist:

Meine letzte Abtreibung war meine Lieblingsabtreibung. Weil mein Liebster und ich es dabei zum ersten Mal schafften, weder so zu tun, als sei das alles eine Katastrophe, noch als sei es keine besondere Situation. Weil wir uns Zeit genommen haben, auf grünen Wiesen zu reden, was es bedeutet, dass wir uns gegen weitere Kinder entschieden haben, und was wir statt dessen alles machen wollen. Als Ergebnis habe ich jetzt einen Führerschein. So etwas möchte ich im Fernsehen sehen.

Und als diese Banalisierung – ach, statt dem Kind, dann doch lieber den Führerschein… – des Themas Abtreibung noch nicht genug wäre, fordert sie gleich auch noch mehr Geld für die Forschung und ergibt sich in utopische Gedanken – wobei man hier vielleicht lieber von einer Distopy reden sollte. Auch will sie gleich Hebammen zu Abtreibungs-Helfern für zu Hause umfunktionieren:

Und wenn wir richtig utopisch werden wollen, sollten wir endlich Forschung investieren, Abtreibungen anders durchzuführen als durch Absaugen oder Ausschaben. Das wäre doch mal ein prima Dissertationsthema: alternative Wege abzutreiben. Nur natürlich nicht auf eigene Faust und alleine. Wie wäre es also, liebe Krankenkassen, wenn jede Abtreibungen von einer Hebamme begleitet werden könnte? Das würde auch super gegen potentielle psychische Probleme helfen.

(Lesen Sie HIER die Kolumne von Mithu Sanyal in der "TAZ")

 [Text: W-R. M. Bild: http://nmhm.washingtondc.museum/exhibits/single_cell/imgs/14_Fetus_3_months.jpg]