Indessen wurde gewiss alles gesagt, was über den Wahlsieg des Immobilienmilliardärs Donald Trump in den USA zu sagen ist. Alle Motive der Wähler, alle möglichen und unmöglichen Argumente für und gegen Trump wurden sattsam und das weltweit quer durch alle Medien erörtert. Wie man es aber auch dreht und wendet, gewiss ist jedenfalls eines: Dieser Wahlsieg im Kampf um das mächtigste politische Amt der Erde stellt einen gewaltigen Schuss vor den Bug des politischen Establishments der etablierten politischen Klasse dar.

Kurz gesagt: Donald Trump hat aus drei Gründen gesiegt: Erstens, er ist die personifizierte Anti-These zur Political Correctness; zweitens, er ist als Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen authentisch und drittens, er artikuliert die Sorgen der autochthonen weißen Mehrheitsbevölkerung.

Die Political Correctness ist längst zum grundlegenden Verhaltenskodex der etablierten Macht-eliten aller westlichen Demokratien geworden. Längst sind es nicht mehr die christlichen zehn Gebote oder die gesatzte Verfassung des jeweiligen Staates, auch nicht mehr das Strafgesetzbuch oder gar traditionell überkommende Ehrbegriffe und gutes Benehmen, was die politische Klasse als Richtschnur ihres Verhaltens akzeptiert, sondern ebendiese Political Correctness. Also das Prinzip, dass sich Heuchelei und verbales Wohlverhalten an strenge semantische und semiotische Regeln hält.

Die erste und schwerste Todsünde gegen den Geist der Political Correctness ist echter oder nur angeblicher Rassismus, dessen schwerwiegendste Varianten bestehen aus Antisemitismus, der Xenophobie und ähnlichen Verhaltensweisen. Die zweite Todsünde gegen den Geist der Political Correctness ist Sexismus. Und sexistisch sind natürlich nicht nur Machos und Gegner des Feminismus, sondern jedermann, der sich gegen die neue Genderideologie wendet. Die dritte Todsünde gegen den Geist der Political Correctness ist Nationalismus. Bereits Heimatverbundenheit steht im Geruch chauvinistischem, völkischem Denkens und wird – wenn schon nicht verfolgt – so zumindest der Lächerlichkeit preisgegeben.

In Amerika treibt diese Political Correctness beispielsweise an den Universitäten die kuriosesten Blüten. Dort sind es längst nicht mehr nur mehr Sprechverbote, sondern schon Denkverbote, mit denen das Prinzip Heuchelei durchgesetzt wird. Trump verstieß im Zuge seines Lebens als Kaufmann, aber auch während der langen Monate des Wahlkampfes, wiederholt massiv und wahrscheinlich auch bewusst gegen diese Gebote der Political Correctness.

 

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[Bild: Gage Skidmore/flickr]