Eric Schneiderman, der Generalstaatsanwalt von New York, trat von seinem Amt zurück. Zuvor war er zur fortschrittlichen Lichtgestalt der juristischen Nomenklatura der Demokratischen Partei aufgestiegen. Autoabgase, „Einwandererschutz“ und natürlich der gewählte US-Präsident Donald Trump waren seine bevorzugten Ziele und natürlich war er bei „#MeToo“ ganz vorne mit dabei. Damit ist nun Schluss. Vier Frauen erhoben Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihn. Pikanterweise scheint es sich bei Schneidermans Sex-Aktivitäten nicht um „normale“ Sexpraktiken zu handeln, sondern um „Rollenspiele in der Privatheit intimer Beziehungen“, wie der „Rachegott“ der politischen Korrektheit einräumte. Dabei sei es zu Gewalttätigkeiten unter Alkoholeinfluss gekommen, so der Vorwurf. Schneiderman behauptet, die „Rollenspiele“ seien „einvernehmlich“ erfolgt. Aber nach den von ihm selbst eingeführten Gepflogenheiten wird ihm das nicht helfen. Zuvor hatte es Roy Moore, Kandidat als Senatsvertreter in Alabama der Republikaner, getroffen. Kurz vor dem Urnengang – so dass er keine wirksame juristische Verteidigung bewerkstelligen konnte – wurde er mit Belästigungsvorwürfen konfrontiert. Präsident Donald Trump verteidigte ihn. Dennoch konnten die Demokraten den Senatssitz für Alabama erstmals seit Jahrzehnten erobern.
Begonnen hatte die „#MeToo“-Bewegung mit den Sexbelästigungsvorwürfen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Seither breitet sich das aus wie eine Epidemie. Zielgruppe der angeklagten Täter sind ausschließlich „alte, weiße Männer“ – das traditionelle Feindbild des Feminismus. Die Vorgehensweise läuft zumeist so ab: Es werden (lange, mitunter sehr lange zurückliegende) Vorgänge behauptet. Gelegentlich wird unter Verzicht auf Namensnennungen pauschal ein Vorwurf erhoben. Das hat den Vorteil, dass ein Beweis nicht angetreten werden muss. Ende letzten Jahres setzte die schwedische Außenministerin Margot Wallström die Behauptung in die Welt, sie sei 2014 bei einem Essen der Regierungschefs auf EU-Ebene begrabscht worden. Wallström setzte sich dem Verdacht aus, um politischer Gründe Willen eine schwedische Märchenstunde abzuhalten. Tatsächlich erscheint „#MeToo“ als eine Antwort der 68er und ihrer ideengebenden Frankfurter Schule auf die Umwälzung der Gesellschaft, die sich seit zwanzig und verstärkt seit zehn Jahren abzeichnen. Wie kann man gegen Trump, BREXIT, PiS in Polen, Orban in Ungarn, Kurz und Strache in Österreich oder die AfD Deutschland etwas politisch Wirksames unternehmen?

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[Text: A.S.; Bild: flickr.com/duncan c; Lizenz: CreativeCommons Attribution-Share Alike 2.0 Unported]