Im Jahr 1986 warnte der damalige Direktor des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5, Antony Duff, in einem Brief an Kabinettssekretär Robert Armstrong vor einem Parlamentsabgeordneten, der eine „Vorliebe für kleine Buben“ habe und deshalb der Regierung großen Ärger bereiten könnte. Damals war eine konservative Regierung unter Premierministerin Margret Thatcher im Amt. Geschehen ist jedoch nichts, wie Peter Wanless und Richard Whittam von der britischen Kinderschutzorganisation NSPCC nach der Analyse neuer Dokumente erklären. Demnach wurde „die Sache von Verbrechen gegen Kinder weniger ernsthaft geprüft als es heute erwartet wird.“

Die neuen Dokumente, in denen unter anderem Namen des damaligen politischen Establishments vorkommen und die auch Bezug nehmen auf das Kincora-Kinderheim in Nordirland, wo Buben missbraucht wurden, wurden „in einem separaten Raum der Regierung in einem Stapel ungeordneter Papiere entdeckt“, kritisiert NSPCC. Weiters heißt es seitens der Kinderschutzorganisation: „Das zeigt eindeutig die falschen Prioritäten jener, die auf höchster Regierungsebene tätig waren, und die von den Menschen einfach nicht mit Verbrechen gegen Kinder in Verbindung gebracht werden (…). Es bekräftigt die Notwendigkeit einer Ermittlung, die das in die Tiefe gehend untersucht.“ Erst im Vorjahr erschütterte Großbritannien ein Skandal über einen angeblichen Kinderschänderring in den 1980er Jahren, in den mehrere damalige Parlamentsabgeordnete verwickelt sein sollen.

 

B. T.

 

 

(Bild: Sir James/wikimedia.org)